Defekter Raumanzug
Nasa bricht Außeneinsatz an ISS ab

Wegen eines defekten Raumanzugs mussten zwei Astronauten der US-Raumfähre "Endeavour" ihren Außeneinsatz an der Internationalen Weltraumstation (ISS) vorzeitig beenden. Die Raumfahrtbehörde sprach anschließend von einer reinen Vorsichtsmaßnahme.
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HB WASHINGTON. Die NASA-Bodenzentrale in Houston schickte die beiden Astronauten Christopher Cassidy und Dave Wolf eine halbe Stunde früher als ursprünglich geplant in die ISS zurück. Grund war ein Kohlendioxid-Anstieg in Cassidys Overall. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, erklärte ISS-Flugdirektorin Holly Ridings die Verkürzung des Einsatzes wenig später. Für die Crew habe zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr bestanden. Cassidy habe keinerlei Symptome von zu viel CO2 gezeigt.

Die Astronauten der angedockten Raumfähre "Endeavour" mussten allerdings einen Teil der Arbeit unverrichtet lassen: Ursprünglich sollten sie als Hauptaufgabe vier von sechs mit einem Paar Sonnensegeln verbundene Batterien gegen neue austauschen, schafften aber nur das Auswechseln von zwei.

Die dritte alte Batterie konnten sie noch ausbauen und wollten sie dann auf einer Palette verstauen, als der Kohlendioxid-Gehalt in Cassidys Raumanzug anzusteigen begann. Das lag an einem Problem mit einem Kanister Lithiumhydroxid, einem Stoff, der CO2 eliminiert. Der NASA zufolge lagen die Kohlendioxid-Werte aber immer noch deutlich unter jenen, die in der Raumstation und im Space-Shuttle selbst üblich sind. Wie Ridings sagte, zeigte Cassidy auch keinerlei Symptome von Hyperkapnie, das heißt zu hohem CO2-Gehalt im Blut. Zu diesen Symptomen gehören Kopfschmerzen, Verwirrung und Lethargie.

Bevor das Unternehmen vorsichtshalber nach sechs Stunden abgebrochen wurde, hatten Cassidy und Wolf unter anderem die Isolierung an einer Experimentiervorrichtung entfernt. Das Auswechseln der letzten etwa Kühlschrank großen Batterien soll nun während des nächsten für diesen Freitag geplanten Außeneinsatzes nachgeholt werden. Dazu soll Cassidys Raumanzug mit einem frischen Kannister Lithiumhydroxid ausgestattet werden. Danach, am Montag, ist noch ein weiterer Arbeitsaufenthalt im Freien geplant - der fünfte und letzte dieser "Endeavour"-Mission. Die NASA will nach eigenen Angaben den Arbeitsplan ein wenig umstellen und bestimmte Prioritäten setzen, weil wegen des verkürzten Einsatzes am Mittwoch nunmehr nicht mehr alle Aufgaben bewältigt werden können.

Es war der bereits dritte Außenbordeinsatz binnen fünf Tagen. Bereits beim ersten Außeneinsatz am vergangenen Wochenende war das Hauptziel der Shuttle-Reise erreicht worden: Das japanische Raumlabor Kibo erhielt eine gut vier Tonnen schwere Plattform, die zur Durchführung wissenschaftlicher Experimente im Freien dienen soll. Das Modul ist damit komplett. Beim zweiten Ausstieg hatten zwei Astronauten Ersatzteile in einem Laderaum außerhalb der Station deponiert. Insgesamt sollen die Astronauten der "Endeavour" bis zum Rückflug fünf solcher Einsätze absolvieren. Die Raumfähre soll am 28. Juli abdocken und dann drei Tage später auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida landen.

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