Dekontaminierung
Berliner Klinik übt den Notfall

Anschläge mit biologischen Kampfstoffen und Krankheitserregern sind in Deutschland zwar keine unmittelbar drohende Gefahr, aber die Risiken müssen durchaus ernst genommen werden. Ein Krankenhaus in Berlin probte, wie im Notfall effektiv geholfen werden kann – und zeigte auf, welche Fehler in der Vergangenheit begangen wurden.

BERLIN. Alarm am Vivantes Klinikum Friedrichshain: Vor der Hauptrolltreppe des Galeria Kaufhof am Berliner Alexanderplatz gab es einen lauten Knall, ein undefinierbares weißes Pulver breitete sich aus – wahrscheinlich ein Biokampfstoff. Verletzt wurde niemand, aber Menschen, die mit dem Stoff kontaminiert wurden, suchen Hilfe bei dem nahe gelegenen Krankenhaus. Den Mitarbeitern im Klinikum bleiben jetzt gerade mal zwanzig Minuten, um alles für die Dekontamination vorzubereiten – und die restlichen Patienten vor der Gefahr zu schützen.

Eine Übung, zum Glück. Auf der Wiese vor der Klinik pumpen technische Mitarbeiter ein Zelt auf. Hier werden sich die Verseuchten entkleiden, womit schon ein Großteil des Giftes entsorgt ist. Der Rest wird von in Schutzanzügen verpackten Mitarbeitern im Bäderbereich der Physiotherapeutischen Abteilung mit einem Shampoo abgeduscht. Derweil werden Besucher und Patienten von dem Geschehen abgeschottet. In einer viertel Stunde sind zehn Menschen dekontaminiert. Erst dann kann die medizinische Betreuung beginnen.

Das Szenario wurde von Wissenschaftlern des Robert Koch-Instituts (RKI) erarbeitet. Es ist nahe an der Wirklichkeit. Beim Anschlag auf eine Tokioter U-Bahn durch die Aum-Sekte vor zwölf Jahren wurde es Realität – und offenbarte die Schwächen bei der Dekontamination. „Dieser Giftgasanschlag mit Sarin zeigte, dass viele Betroffene selbstständig Kliniken aufsuchen, was auch Retter und Helfer gefährdet und unter Umständen ein gesamtes Krankenhaus lahm legen kann, weil es kontaminiert wird“, sagt Henrik Schierz, Leitender Notarzt am Vivantes- Klinikum. In Tokio wurden mangels Katastrophenschutz Ärzte und Personal vergiftet.

Das soll durch das Berliner ABC-Schutz-Konzept verhindert werden. Es darauf setzt, dass sich Krankenhäuser selber schnell schützen, um handlungsfähig zu bleiben. „Daher sind Notfallübungen notwendig – auch wenn sie kostspielig sind“, sagt Cornelius Bartels von der Informationsstelle des Bundes für Biologische Sicherheit am RKI.

Das Berliner Konzept für die Dekontamination wurde im Vorfeld der Fußball-WM im vergangenen Jahr entwickelt und getestet. In der vergangenen Woche wurde die Übung im Rahmen einer RKI-Fortbildung für Krankenhauspersonal wiederholt. Daran nahmen auch Experten aus dem Ausland teil, um zu lernen, was im Falle eines Falles zu tun ist.

Seite 1:

Berliner Klinik übt den Notfall

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%