Denkfähigkeit
Gehirn-Doping mit Strom

Soldaten, deren Gehirn mit einem minimalen Strom stimuliert wird, lernen doppelt so schnell. Gleichstrom-Stimulationen könnten auch psychisch Kranken helfen, doch das Experiment wirft auch Fragen auf.
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DüsseldorfDenken unter Strom: Die Stimulation des Gehirns mittels Gleichstrom erhöht die Denkfähigkeit, berichtet das Wissenschaftsmagazin „Nature“ in seiner aktuellen Ausgabe. Dabei genügt eine Stromstärke, die nur dem Fünfhundertstel des Stromflusses einer 100-Watt-Glühlampe entspricht, fanden Neurowissenschaftler an der University of New Mexico in Albuquerque in einem Experiment heraus.

Sie ließen freiwillige US-Soldaten ein Trainingsspiel des Militärs zu absolvieren. Dabei gilt es, verdeckte Gefahren wie den Schatten eines Heckenschützens oder eine Sprengfalle zu entdecken. Dabei kommt es darauf an, dass die Gefahr schnell erkannt und binnen Sekunden darauf reagiert wird. Ein feuchter Schwamm an ihrer rechten Schläfe sorgte für einen geringen Stromfluss in der Stromstärke von ein paar Milliampere – gespeist durch eine Neun-Volt-Batterie. Eine sogenannte transkraniale Gleichstromstimulation (tDCS, transcranial direct current stimulation). Bei der Vergleichsgruppe wurde das Gehirn lediglich mit einem zwanzigstel der Stromstärke stimuliert.

So einfach der Versuchsaufbau, so überraschend das Ergebnis: Die Leistungen beider Gruppen war anfänglich gleich, doch die Soldaten mit der etwas höheren Stromstärke lernten erheblich schneller. Nach kurzem Trainingsspiel verbesserten sich ihre Leistungen mehr als doppelt so stark wie die der anderen Probanden. „Sie lernen schneller, können sich aber nicht richtig erklären warum“, so der Neurowissenschaftler und Versuchsleiter Vincent Clark laut „Nature“.

Von den Erkenntnissen erhofft sich die US-Armee Möglichkeiten für die Leistungssteigerung ihrer Soldaten. Das Forschungsprojekt wurde vom US-Verteidigungsministerium gefördert. Erste Experimente mit Strom zur Steigerung des Denkvermögens wurden schon vor mehr als zwei Jahrhunderten durchgeführt – doch Clark sieht die Technik vor einer Renaissance.

Offen bleibt die ethische Frage, ob es vertretbar ist, dass völlig Gesunde ihre Leistung durch eine derartige Manipulation des Gehirns steigern – und auch die Frage nach möglichen Langzeitfolgen. Andere Studien zu dem Verfahren zeigen unter anderem, dass die Stimulation auch andere Effekte hat, wie eine verminderte Risikobereitschaft. Auch sollten Studenten nicht anfangen, sich während des Lernens mit Drähten zu stimulieren. "Wenn sich Bastler zu Hause mit ein paar Drähten und Batterien Strom durch ihre Köpfe leiten, dann kann ganz schnell etwas schiefgehen", warnt die Neuroethikerin Martha Farah in der „Nature“.

Aber auch medizinische Anwendungen sind mit der Gleichstromstimulation denkbar – beispielsweise zur Therapie neurologischer Störungen wie Depressionen und Schlaganfällen. Der Missbrauch von Elektroschocks bei psychisch Kranken bis in dieses Jahrhundert hinein, hat dem Einsatz von Strom zur Heilung psychischer Leiden einen schlechten Ruf verschafft. Doch inzwischen denken Psychiater über Therapien mit deutlich geringeren Stromstärken wieder nach. 

Eine Übersetzung des „Nature“-Artikels finden Sie bei unseren Kollegen von Spektrumdirekt.

Kommentare zu " Denkfähigkeit: Gehirn-Doping mit Strom"

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    http://home.cablesurf.de/harry.fickert/Unsterblichkeitshypothese.pdf

    Gruß Harry

    http://home.cablesurf.de/harry.fickert/Index.html

  • Wie typisch:

    In Berichten über wissenschaftliche Durchbrüche werden wieder einmal zwei akademischen Berufe genannt, nämlich Neurowissenschaftler und Psychiater.
    Dass dieser Durchbruch aber weder von Ersteren noch von Letzteren, sondern von PSYCHOLOGEN (!) erzielt wurde, bleibt vollkommen unerwähnt.
    Tatsächlich scheint es irgendwie unanständig zu sein, diesen Berufsstand im Zusammenhang mit solchen Fortschritten zu erwähnen. Psychologen gehören im Bereich der Neurowissenschaften seit vielen Jahren zu den maßgebenden akademischen Berufsgruppen, haben als solche aber dennoch eine eigene Identität. In der Psychotherapie sind sie gemeinsam mit wenigen Facharztgruppen unangefochten an der Spitze.

    Es ist höchste Zeit, diesem Berufsstand gerade in den Medien die ihm gebührende Anerkennung zu verschaffen, damit sie von der breiten Öffentlichkeit als unverzichtbarer Bestandteil der Forschung und Krankenversorgung wahr- und ernstgenommen werden. Psychologen in einem Bericht über wissenschafltichen Fortschritt auch als solche zu bezeichnen - und eben nicht als "Neurowissenschaftler", "Forscher" oder gar pauschal als "Mediziner" (kommt alles regelmäßig vor) - wäre ein erster Schritt dorthin und würde einen seriösen akademischen Berufsstand vom Mantel der "esoterischen Seelenklempner" befreien!

    Zum Thema "Ethik": Solange Enhancement-Technologien keine Wettbewerbsverzerrung bewirken, jedem in ähnlicher Weise zur Verfügung gestellt werden und v. a. keine unkalkulierbaren Nebenwirkungen haben, wäre es unethisch, sie NICHT einzusetzen!

    Es gibt kein vernünftiges ethisches oder wissenschaftliches Argument gegen die Steigerung der Leistungsfähigkeit und Gesundheit des Menschen!

  • Wie typisch:

    In Berichten über wissenschaftliche Durchbrüche werden wieder einmal zwei akademischen Berufe genannt, nämlich Neurowissenschaftler und Psychiater.
    Dass dieser Durchbruch aber weder von Ersteren noch von Letzteren, sondern von PSYCHOLOGEN (!) erzielt wurde, bleibt vollkommen unerwähnt.
    Tatsächlich scheint es irgendwie unanständig zu sein, diesen Berufsstand im Zusammenhang mit solchen Fortschritten zu erwähnen. Psychologen gehören im Bereich der Neurowissenschaften seit vielen Jahren zu den maßgebenden akademischen Berufsgruppen, haben als solche aber dennoch eine eigene Identität. In der Psychotherapie sind sie gemeinsam mit wenigen Facharztgruppen unangefochten an der Spitze.

    Es ist höchste Zeit, diesem Berufsstand gerade in den Medien die ihm gebührende Anerkennung zu verschaffen, damit sie von der breiten Öffentlichkeit als unverzichtbarer Bestandteil der Forschung und Krankenversorgung wahr- und ernstgenommen werden. Psychologen in einem Bericht über wissenschafltichen Fortschritt auch als solche zu bezeichnen - und eben nicht als "Neurowissenschaftler", "Forscher" oder gar pauschal als "Mediziner" (kommt alles regelmäßig vor) - wäre ein erster Schritt dorthin und würde einen seriösen akademischen Berufsstand vom Mantel der "esoterischen Seelenklempner" befreien!

    Zum Thema "Ethik": Solange Enhancement-Technologien keine Wettbewerbsverzerrung bewirken, jedem in ähnlicher Weise zur Verfügung gestellt werden und v. a. keine unkalkulierbaren Nebenwirkungen haben, wäre es unethisch, sie NICHT einzusetzen!

    Es gibt kein vernünftiges ethisches oder wissenschaftliches Argument gegen die Steigerung der Leistungsfähigkeit und Gesundheit des Menschen!

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