Der allwissende Polizist
Schnelle Bilder vom Tatort

Was vor wenigen Jahren noch als unrealistische Utopie abgetan worden wäre, macht ein internationales Konsortium jetzt möglich: Den allwissenden Polizisten. Elf Unternehmen haben in den USA ein Videonetz entwickelt, das Einsatzkräfte in Sekunden über die Lage informiert.

LAS VEGAS. So hatte sich der Bankräuber das nicht vorgestellt: Kaum hat er den Schalterraum betreten, schaltet sich die Polizeizentrale auch schon per Mausklick in die Überwachungskameras ein. Sogar die Kamera des gegenüberliegenden Juweliers wird ferngesteuert auf die Bank ausgerichtet und identifiziert den Komplizen im Fluchtfahrzeug. Und noch während der Kassierer Geldscheine in die Tüte stopft, erhalten alle Streifenwagen bereits ein erstes Phantombild der beiden Räuber auf ihren Laptopbildschirm.

Was vor wenigen Jahren noch als unrealistische Utopie abgetan worden wäre, macht ein internationales Konsortium jetzt möglich: Den allwissenden Polizisten. Möglich wird dies vor allem durch fortschreitende Videoüberwachung und schnellere Funkübertragungstechniken. In den USA haben sich elf Unternehmen zum so genannten „Public Safety Broadband Consortium“ (PSBC) zusammengeschlossen, um ein Sicherheitsnetzwerk zu entwickeln, mit dem sich Einsatzkräfte schnell einen Überblick über die Lage vor Ort verschaffen und ihre Aktionen besser planen können. Das System ist zunächst für den amerikanischen Markt gedacht – der Export aber nicht ausgeschlossen.

Das Projekt basiert auf einem sich selbst installierenden Funknetz auf der neuen 4,9 GHz-Frequenz, die die US Federal Communications Commission (FCC) vor vier Jahren speziell für Sicherheitsbehörden reserviert hatte. „Mit dieser Frequenz sind erheblich höhere Übertragungsraten als bisher möglich. Sie erlauben erstmals echtes Live-Streaming-Video“, sagt Sergey Kryukov von InfiNet, Konsortialpartner für die Netzwerktechnik.

Das Moskauer Systemhaus ist in der Branche kein Unbekannter: InfiNet ist an der Installation der „sprechenden“ Überwachungssysteme in Großbritannien beteiligt. Dort dienen Kameras nicht mehr nur der passiven Beobachtung, sondern können etwa durch Lautsprecherdurchsagen aktiv ins Geschehen eingreifen. Zudem sind sie mit Mikrofonen ausgestattet, um Unfälle oder Tumulte schnell zu erfassen. Die Systeme sollen zusätzlich mit so genannter „ShotSpotter“-Software ausgerüstet werden, wie sie teilweise schon in Los Angeles und Washington D.C. läuft: Damit erkennt das System selbstständig anhand verschiedener Lautmerkmale Pistolen- oder Gewehrschüsse und alarmiert die Leitstelle.

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