Forschung + Innovation
Der „König des Klonens“ landet neuen Coup

Ein einziges Jahr brauchte der „König des Klonens“, um das hochgesteckte Ziel zu erreichen. Woo Suk Hwang aus Südkorea klonte Embryonen mit dem Erbgut unheilbar kranker Menschen.

dpa NEW YORK. Ein einziges Jahr brauchte der „König des Klonens“, um das hochgesteckte Ziel zu erreichen. Woo Suk Hwang aus Südkorea klonte Embryonen mit dem Erbgut unheilbar kranker Menschen.

Während sich die internationale Gemeinschaft am UN-Hauptsitz in New York noch über das Für und Wider des therapeutischen Klonens stritt, peilte Hwang in seinem Labor in Seoul den nächsten Meilenstein an. Das Ergebnis präsentiert er nun in der Online-Ausgabe des Fachjournals „Science“ (Sciencexpress): Stammzellen, die schwer kranken Patienten auf den Leib geschneidert sind, und eine Immunabwehr ausschließen, sollten sie je zur Behandlung eingesetzt werden.

Aber so weit ist es noch nicht. Wenigstens zehn Jahre dürften nach vorsichtiger Schätzung des Professors für Tiermedizin von der Seouler Nationaluniversität noch vergehen, bis therapeutisches Klonen dem ersten Patienten zu Gute kommen könnte. Alle Teilnehmer seines jüngsten Experiments hatten sich freiwillig und kostenlos zur Verfügung gestellt, ohne Aussicht auf eine eigene Heilung.

„Wir applaudieren Professor Hwang und seinen Kollegen zu diesem umwerfenden wissenschaftlichen Fortschritt“, schrieb die American Society for Reproductive Medicine (Asrm) in einer Stellungnahme. Er „rückt die Erfüllung des Versprechens, das die Stammzellenforschung zur Therapie einer der schlimmsten Leiden birgt, sehr viel näher“.

„Manche werden ihn hassen, andere werden ihn feiern“, gab der Deutsch-Amerikaner Rudolf Jaenisch vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) zu bedenken. Hwang hatte die Welt erstmals im Februar 2004 in Staunen versetzt. Zusammen mit seinem Kollegen Shin Yong Moon stellte er den ersten menschlichen Klon-Embryo vor, aus dem Stammzellen gewonnen wurden. Der Papst, der US-Präsident und etliche deutsche Politiker verurteilten die Experimente als unverantwortlich.

Südkorea aber reagierte mit Stolz: Die Regierung ließ Hwang und Moon auf einer Briefmarke abbilden und versorgte sie reichlich mit Forschungsmitteln. Außer einer Million Dollar aus dem Staatssäckel erhielt das Klon-Team eine weitere Million von Spendern. Für seine Landsleute ist der sympathische Forscher Hwang „The King of Cloning“. Inzwischen geben sich auch Biologen aus aller Welt die Klinke zu seinem Labor in die Hand.

„Sie haben einfach alles, was man braucht: Das Knowhow, das Geld und ein Gesetz, das ihnen freie Hand lässt“, sagt Jose Cibelli von der Staatlichen Universität von Michigan über das koreanische Team. Er sehe keinen Grund, warum Hwang und Moon ihre Experimente bremsen sollten.

Dass ihre Methode nie zum Klonen kompletter Menschen dienen darf, steht für die beiden Forscher außer Frage. „Das reproduktive Klonen (von Menschen) muss gesetzlich verboten werden“, sagte Hwang der dpa bei einem Gespräch in Seattle. Er und sein Kollege Moon appellieren an alle Welt, dem (reproduktiven) Klonen von Babys durch Landesgesetze einen Riegel vorzuschieben, nachdem eine internationale Anti-Klon-Konvention in New York gescheitert war.

Ungeachtet ihrer Opposition gegen das Klonen von Menschen bestehen sie darauf, das Potenzial embryonaler Stammzellen zu nutzen, das diese in den allerersten Tagen nach der Empfängnis bieten. „Wir sollten nicht das kostbare Leben von (kranken) Menschen für eine abstrakte und dogmatische Idee opfern“, entgegnet Hwang religiösen Konservativen, die in der Befruchtung eines menschlichen Eis den Beginn des Lebens sehen und seine Arbeit deshalb ablehnen.

Nach Einschätzung von Jaenisch hat der Erfolg der Südkoreaner ohnehin keinen Einfluss auf die Chancen, dass irgendwo auf der Welt das Klonen eines Babys gelingen könnte. „Reproduktives Klonen ist alles andere als sicher und es wird nicht gelingen“, glaubt der Biomediziner aus Cambridge bei Boston.

Das „Time“-Magazin hatte den Buddhisten Hwang im Dezember bereits zu einer der 100 Personen gekürt, die die Menschheit in 2004 am weitesten vorangebracht haben. Der 52-jährige Tiermediziner stammt aus einer Bauernfamilie. Auf Drängen seiner Mutter ging er zum Studieren in die Stadt. Hwang steht gewöhnlich um vier Uhr auf, gönnt sich einen Besuch im Badehaus und anschließend eine Runde Yoga, bevor er um sechs Uhr seine Arbeit beginnt. Sein Arbeitstag endet selten vor Mitternacht und schließt den Samstag und Sonntag selbstverständlich mit ein, wie er sagt.

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