Der menschenähnliche Automat "Asimo" tanzt und putzt
Honda geht mit neuem Roboter auf Europa-Tournee

Mit einem menschenähnlichen Roboter will der japanische Technologiekonzern Honda europäische Haushalte und Kinderherzen erobern. „Asimo“ sei der ideale Spielkamerad der Zukunft, sagte Honda-Chefingenieur Toru Takenaka bei der Europapremiere der neuen Robotergeneration in der Technischen Universität Darmstadt.

dpa DARMSTADT. Der Roboter könne aber auch als Haushaltshilfe und Pflegekraft programmiert werden. Der rund 1,20 Meter große „Asimo“, der nun auf Europa-Tournee gehen soll, zeigte in Darmstadt eine neue Lauftechnik und ein paar Tanzschritte. Mit der Serienreife rechnet Honda frühestens in zehn Jahren.

Der kleine weiße Roboter aus Magnesium und Plastik marschiert, angetrieben von den Computern in seinem „Rucksack“, gemütlich auf die Bühne des großen Hörsaals. Seine Kniegelenke sind nie voll gestreckt, dadurch erinnert sein Gang an den des Komiker Groucho Marx. In der Bühnenmitte wendet sich „ASIMO“ zum Publikum, bewegt einen Arm huldvoll nach außen und öffnet die Hand. Als der Applaus stärker wird, hebt er beide Arme in Siegerpose.

Während die Laien unter den Zuschauern die Bewegungen hölzern aber niedlich finden, ist das Fachpublikum begeistert. Sie wissen, wie viel Mühen es kostet, einen Roboter ins Gleichgewicht zu bringen. Jeder Schritt ist eine Herausforderung - und „ASIMO“ kann sogar rückwärts und seitwärts laufen und dabei Ober- und Unterkörper getrennt voneinander bewegen. Das reicht aus für ein paar Tanzfiguren zur Discomusik. Nach einer kurzen Denkpause überwindet er auch sechs Stufen hinauf auf ein Podest und wieder hinunter - vorsichtig den Fuß auf der Ferse absetzend und abrollend.

Seit 1986 entwickelt Honda menschenähnliche Roboter. „ASIMO“ (Advanced Step in Innovative Mobility) gehört ungefähr zur 25. Generation. Genau lässt sich das nicht in Erfahrung bringen, denn bei Fragen nach Kosten und Größe des Forschungsteams geben sich die Firmenvertreter zugeknöpft. Ihre Ziele werden durch das neue Design allerdings deutlich: „ASIMO“ ist einen Kopf kleiner als seine Vorgänger und sieht zum Knuddeln aus. „Er soll im Haushalt leben und die Menschen sollen seine Nähe fühlen“, erklärt Takenakas Kollege Yoshiaki Sakagami das Konzept. Ein Roboter auf Augenhöhe könne leicht Ängste wecken.

Mit „ASIMO“ ist Honda im Sinne des Wortes einige Schritte in der Forschung vorangekommen. Sein Nachfolger soll leichter als 52 Kilogramm werden, er soll schneller als 1,6 Kilometer in der Stunde gehen können und seine Laufzeit soll von derzeit 40 Minuten auf das doppelte gesteigert werden. „Wir arbeiten außerdem daran, dass er springen, rennen, fallen und von alleine wieder aufstehen kann“, erläutert Takenaka.

Parallel wird auch sein „Gehirn“ erweitert. So soll „ASIMO“ künftig mehr als 80 Zurufe oder Kommandos verstehen und auf sie reagieren. „Er wird jedoch nie vollständig autonom sein“, nimmt Takenaka die Befürchtungen nach einem Roboteraufstand vorweg. „Er wird mit den Menschen und nach ihrem Willen leben.“ Zurzeit sei der Roboter in einigen Museen als Führer für Kinder und in Firmen als Empfangs-Diener eingesetzt.

Nach Einschätzung von Edgar Körner, Präsident des europäischen Honda-Forschungsinstituts in Offenbach, kann „ASIMO“ ein „wertvolles Mitglied der Familie“ werden. Als „guten Geist“ zur Lösung des Pflegekräfte-Mangels sieht ihn Ernst Pöppel, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie in München. Allerdings müsse untersucht werden, ob sich ältere Menschen von Robotern helfen lassen wollten. Helge Ritter, Leiter der Neuroinformatik-Gruppe an der Universität Bielfeld bedauert, dass die „ASIMO“-Technik nicht von den Hochschulen genutzt werden kann. „Dadurch hätten wir eine standardisierte Plattform und könnten uns viel unnötige Entwicklungsarbeit sparen.“ In dieses Horn bläst auch Thomas Christaller, Direktor des Fraunhofer-Instituts für Autonome Intelligente Systeme in St. Augustin: „Wir würden gerne bei der Entwicklung der Kontrollsysteme für „ASIMO“ mitarbeiten.“

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