Design-Konkurrenz aus Fernost
Großes Vorbild

Die Asiaten kommen – nun auch im Design. Die coole Formsprache aus Asien bricht in Europas ureigene Domäne ein. Nur bei der Verknüpfung von Formsprache und Markenpolitik hapert es oft. Doch was bei der Unterhaltungselektronik bereits gelungen ist, könnte auch bei Autos und Kühlschränken funktionieren.
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DÜSSELDORF. Fraglos, diese Leute haben Macht. Sie residieren in den oberen Etagen des GS-Towers von Seoul mit einem faszinierenden Blick auf die südkoreanische Metropole. Locker sind sie, die Designer des Elektronikkonzerns LG, der Chef in feinem dunklen Tuch, aber ohne Krawatte, die Jungen in Jeans, Polohemden und Turnschuhen - ungewöhnlich locker für südkoreanische konservative Manager. Im 17. Stock marschiert Myung-Seob Jeon lässig durch das Großraumbüro, in dessen Mitte auf weißen Regalen seine preisgekrönten LCD-Fantasy-Bildschirme mit den Ständern in Lack-Optik stehen.

Der 46-Jährige verbreitet eine Aura legerer Autorität gepaart mit Herzlichkeit. Er gibt den Stil vor, dem seine 15 jungen Mitarbeiter im Lab für digitale Displays und Medien folgen. Selbst bei ausufernden Diskussionen wird ruhig und souverän argumentiert. "Wir haben ob unserer Erfolge natürlich ein beachtliches Selbstwertgefühl entwickelt", sagt Jeon, der mit seinen Kollegen seit Jahren die Konkurrenz aufmischt.

Eine Rekordsammlung von 29 Auszeichnungen des renommierten Red-Dot-Preises, der jährlich in Essen vom Designzentrum Nordrhein-Westfalen verliehen wird, konnte der zweitgrößte Elektronikhersteller Südkoreas in diesem Jahr gewinnen, vier davon gingen an Myung-Seob Jeon und sein Team für LCD-Monitore.

Die Truppe um Jeon gehörte mit extraschmalen Bildschirmen bereits in den vergangenen Jahren zu den Preisträgern. Der große Durchbruch gelang LG 2004. Damals demonstrierte der Elektronikkonzern der Fachwelt mit 13 Red-Dot-Auszeichnungen sowie weiteren Innovations- und Design-Preisen eindrucksvoll, dass die Ära des oft belächelten "Korea-Barocks" vorbei ist.

700 Kilometer weiter westlich, auf der anderen Seite des Gelben Meeres, sitzen etwa 50 Designer in kleinen, grauen Bürowaben. Die meisten von ihnen sind kaum über 30. Auf ihren Bildschirmen bilden rote, blaue und schwarze Linien die Umrisse eines Kühlschrankgriffs oder eines Drehknopfes für eine Waschmaschine.

Hier im ostchinesischen Qingdao entstehen die Entwürfe für die Kühlschränke, Waschmaschinen und Klimaanlagen des Hausgerätebauers Haier. In den unscheinbaren Flachbauten neben der Firmenzentrale entwickelten die kreativen Köpfe des Unternehmens auch die Waschmaschine, die in diesem Jahr einen Red Dot erhielt.

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