Deutlich billiger
Hormonen im Abwasser auf der Spur

Sexualhormone im Wasserkreislauf werden als „Spermienkiller“ verdächtigt. Sie wirken schon in äußerst geringen Konzentrationen, die nur mit großem Aufwand nachzuweisen sind.

hsn DÜSSELDORF. Wissenschaftler der Universität Bonn haben nun in Zusammenarbeit mit der Dresdner Biotech-Firma quo data einen Antikörper-Test entwickelt, der nicht nur genauer ist, sondern gleichzeitig auch deutlich billiger als bisher eingesetzte Nachweis-Methoden.

„Die Crux vieler Medikamente ist, dass sie im Körper nur langsam abgebaut werden“, erklärt Rudolf J. Schneider, Forscher am Bonner Institut für Pflanzenernährung. Das gilt auch für die Wirkstoffe in der Anti-Baby-Pille: Ein großer Teil des darin enthaltenen künstlichen Östrogens wird von den Frauen mit dem Urin ausgeschieden, gelangt ins Abwasser und von dort in die Kläranlagen. Zumindest bei Forellen ist inzwischen gut dokumentiert, dass Rückstände der Anti-Baby-Pille im Wasser die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

Schneider hat zusammen mit der Firma quo data ein Gerät entwickelt, das sowohl das künstliche als auch das natürliche Östrogen noch in winzigen Spuren nachweisen kann. Das Gerät basiert auf einem bewährten Messprinzip, dem so genannten Elisa-Test. Dabei bindet die nachzuweisende Substanz hochspezifische Antikörper.

Um ein sicheres Analyseergebnis zu erzielen, misst der so genannte „Estraliser“ jede Probe mehrmals. Eine statistische Methode verbessere die Messempfindlichkeit um den Faktor 10, so die Entwickler. Die Ergebnisse liegen nach drei Stunden vor. Die Mehrfachanalyse koste weniger als zehn Euro, herkömmliche Messmethoden sind mit etwa 200 Euro pro Einzelprobe erheblich teurer. Das Umweltbundesamt Wien sowie das chemische Institut der Universität Aveiro in Portugal testen das Gerät zurzeit in der Praxis.

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