Forschung + Innovation
Deutsche Forscher erhalten Preis für Hirnschrittmacher

Für einen Hirnschrittmacher zur Therapie von Nervenkrankheiten wie Parkinson erhält ein Forscherteam aus Köln und Jülich den Erwin-Schrödinger-Preis 2005.

dpa KöLN. Für einen Hirnschrittmacher zur Therapie von Nervenkrankheiten wie Parkinson erhält ein Forscherteam aus Köln und Jülich den Erwin-Schrödinger-Preis 2005.

Den Preisträgern, Peter A. Tass vom Forschungszentrum Jülich und Volker Sturm von der Universität Köln, sei es gelungen, gezielt bestimmten krankhaften Prozessen entgegen zu wirken, sagte die Jury. Die Auszeichnung für interdisziplinäre Forschung ist mit 50 000 Euro dotiert.

Parkinson ist eine der häufigsten Erkrankungen des Nervensystems, in Deutschland leiden mehr als 250 000 Menschen daran. Die so genannte Schüttellähmung, die sich oft durch das typische Zittern äußert, tritt vor allem im Alter auf. Bei den Patienten geben bestimmte Nervenzellen das Gehirns Signale fehlerhaft weiter. Die Erkrankten haben Schwierigkeiten, ihre Feinmotorik zu steuern und alltägliche Tätigkeiten auszuführen.

Das Forscherteam um Tass und Sturm habe ein neues Verfahren zur Hirnstimulierung entwickelt, das einzelne elektrische Impulse bedarfsgesteuert an unterschiedliche Gruppen von Nervenzellen weitergibt. Die Nervenimpulse würden nicht wie bei herkömmlichen Implantaten unterdrückt, sondern aus dem Takt gebracht. Damit würde das Zittern von Parkinson-Patienten und von Multiple-Sklerose-Erkrankten reduziert.

Dass Hirnschrittmacher die Lebensqualität der Erkrankten erheblich verbessern können, wurde jüngst auch bei einer Studie eines deutschen Forschungsteams um den Kieler Neurologen Günter Deuschel mit 156 Probanden nachgewiesen. Die Ergebnisse wurden im Juni beim Weltparkinson-Kongress in Berlin vorgestellt. Demnach hatten schwer erkrankte Parkinson-Patienten, die sich vor der Operation nur zwei Stunden am Tag normal bewegen konnten, nach der Implantation eines Hirnschrittmachers rund acht Stunden oder länger keine großen Beschwerden.

Der Mediziner, Mathematiker und Physiker Tass leitet die Arbeitsgruppe Magnet-Enzephalographie und Hirnschrittmacher des Instituts für Medizin am Forschungszentrum Jülich. Der Mediziner Sturm ist Direktor der Klinik für Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie der Universität Köln. Der Erwin-Schrödinger-Preis, ein jährlich verliehener Wissenschaftspreis des Stifterverbandes, wird am 17. November in Berlin vergeben.

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