Deutscher Astronaut im Online-Chat
„Ich kann hier gut schlafen“

Den deutschen Raumfahrt-Freunden gingen die Fragen nicht aus: Wie schläft oder duscht man in der Raumstation? Kann man den Klimawandel aus dem All sehen? Der deutsche Astronaut Thomas Reiter stand beim ersten Video-Internet-Chat mit der internationalen Raumstation ISS Rede und Antwort.

DÜSSELDORF. Über eine Moskauer Bodenstation wurde er in das Europäische Astronautenzentrum der ESA in Köln übertragen. Ab 21.30 Uhr am Dienstagabend war Reiter, der sich im Rahmen der "Astrolab"-Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA in der Raumstation befindet, für zwanzig Minuten am Computer zu sehen und zu hören. Dann entfernte sich die ISS, die mit 28 000 Kilometern pro Stunde in 400 Kilometer Höhe die Erde umkreist, wieder aus dem Empfangsbereich über Russland.

Reiter hatte gerade das tägliche Sportprogramm absolviert und erklärte die hygienischen Zustände an Bord: "Duschen können wir leider nicht. Wir haben nur imprägnierte Handtücher, die wir etwas anfeuchten. Mit dem Wasser müssen wir hier sehr sparsam sein." Was denkt er beim Überfliegen der Heimat? "Es ist gar nicht so einfach, seinen Heimatort zu finden. Ich muss da schon genau hinschauen. Aber es gibt einem ein ganz tolles Gefühl, weil man nicht nur seine Heimat, sondern ganz Europa sehen kann und den winzigen Punkt, wo die Familie gerade ist." Umweltkatastrophen dagegen, etwa die Abholzung des brasilianischen Regenwaldes, kann man deutlich erkennen. Als in Kanada die Wälder brannten, sei der Rauch bis über den Atlantik gezogen. "Man bekommt einen erschreckenden Eindruck, wie einfach es ist, die Atmosphäre zu beeinflussen."

Schlafprobleme hat der ehemalige Kampfpilot trotz des hohen Lärmpegels (72 Dezibel, das entspricht Straßenlärm) in der ISS nicht. Die lästige Entscheidung, ob auf dem Rücken, der Seite oder dem Bauch, entfalle. "Man schwebt in seinem Schlafsack und kann sich dabei wunderbar erholen." Die Zeit auf der Raumstation sei zwar "toll", doch Reiter gibt auch zu, dass er sich auf sein Bett zu Hause freue, "auf die Familie, die Freunde". Mitte Dezember kommt er nach sechs Monaten mit der Raumfähre "Discovery" auf die Erde zurück.

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