Deutscher Mückenatlas Gefährliche Exoten auf dem Vormarsch

Im Dienst der Wissenschaft werden viele Bürger zu Mückenjägern – mit einem für Forscher alarmierenden Ergebnis. Unter die heimischen Arten dieser lästigen Insekten mischen sich immer mehr gefährliche Exoten.
1 Kommentar
Doreen Walther an ihrem Arbeitsplatz im Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung. Die Biologin bestimmt Mücken unter dem Mikroskop und trägt die Ergebnisse in einen Mückenatlas für Deutschland ein. Quelle: dpa
Arbeit für den Mückenatlas

Doreen Walther an ihrem Arbeitsplatz im Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung. Die Biologin bestimmt Mücken unter dem Mikroskop und trägt die Ergebnisse in einen Mückenatlas für Deutschland ein.

(Foto: dpa)

MünchebergDoreen Walther kann sich vor Arbeit kaum retten. Waschkörbeweise warten luftgepolsterte Briefe oder kleine Pakete darauf, von der Wissenschaftlerin geöffnet zu werden. Immer mehr Bürger sammeln die stechenden Insekten für die Forschung und schicken intakte Exemplare in Streichholzschachteln oder Filmdöschen an das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (Zalf) nach Müncheberg östlich von Berlin.

Der Biologin Walther obliegt es, die Mücken unter dem Mikroskop genau zu bestimmen und die Ergebnisse in einen Mückenatlas für Deutschland einzutragen. Diese lästigen Insekten sind das Spezialthema der 48-Jährigen, die sich als Expertin inzwischen europaweit einen Namen gemacht hat.

Neue Risiken durch Klimawandel
Zecken-Warnung im Landkreis Offenbach
1 von 7

FSME:
Eine der wichtigsten durch lebende Organismen übertragenen Krankheiten in Deutschland ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine virusbedingte Hirnhaut- oder Gehirnentzündung. Überträger sind Zecken. Laut RKI erkrankten im vergangenen Jahr daran rund 420 Menschen. Gegen FSME schützt eine Impfung.

huGO-BildID: 31404497 Mosquitoes are seen inside a stock cage in a mosquito labaratory at the London School of Hygiene and Tropical Medicine in Londo
2 von 7

Malaria:
Die Malaria-Erreger werden durch weibliche Anopheles-Mücken übertragen. In Deutschland werden jedes Jahr mehrere hundert Fälle eingeschleppt - meist von Reiserückkehrern aus Afrika und Asien. Mit der globalen Erwärmung könnten Überträger der Erreger auch nach Europa vordringen. Größere Ausbrüche in Deutschland hält das RKI allerdings für "äußerst unwahrscheinlich" - wegen des hohen medizinischen Standards und weil entsprechende Bedingungen für die Anopheles-Mücken fehlen.

Zecke
3 von 7

Borreliose:
Weit häufiger übertragen Zecken die von Bakterien verursachte Lyme-Borreliose, die Nervensysteme und Gelenke schädigen kann und an der jedes Jahr schätzungsweise bis zu 100.000 Menschen in Deutschland erkranken. Eine Schutzimpfung dagegen gibt es nicht. Früh erkannt, lässt sich die Infektion aber gut mit Antibiotika behandeln.

Yosemite park visitors warned after rare virus kills two
4 von 7

Hantavirus:
2012 infizierten sich mehrere Touristen bei einem Besuch im Yosemite Nationalpark in Kalifornien mit Hantaviren. Zwei von von ihnen starben. In Deutschland wurden im selben Jahr 2825 Fälle bekannt. Hantaviren werden in Deutschland durch die Rötelmaus und die Brandmaus übertragen. Der Mensch infiziert sich in der Regel über eingeatmeten Staub, der Exkremente infizierter Tiere enthält, über Hautkontakt zu Exkrementen oder verseuchte Nahrungsmittel. Zu den Risikofaktoren zählen unter anderem Gartenarbeiten, Holzschlagen, Zelten und Forstarbeiten.

Mücke Stegomyia aegypti
5 von 7

Dengue-Fieber:
Das Virus wird von Stechmücken, vor allem in den Tropen und Subtropen übertragen. Dengue gehört bei deutschen Reiserückkehrern zu den häufigen Infektionen. 2012 wurden in Deutschland rund 600 Fälle gemeldet, 2013 noch mehr. Am häufigsten infizierten sich Menschen in Thailand, Indonesien und Indien. Aber auch in Südkroatien und Südfrankreich tauchte der Erreger schon auf. Die asiatische Tigermücke, die den Erreger übertragen kann, wurde mehrfach auch in Süddeutschland gefunden - bislang enthielt aber keine der eingeschleppten Mücken tropische Viren.

Maus
6 von 7

Leptospirose:
Wirtstiere sind Ratten, Mäuse und andere Haus-, Nutz- und Wildtiere. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt hauptsächlich durch Kontakt mit dem Urin infizierter Tiere. Häufig zeigen sich grippeähnliche Symptome, es können aber auch lebensbedrohliche Formen mit Leber- und Nierenversagen auftreten. Im Jahr 2012 wurden in Deutschland 85 Erkrankungen bekannt.

Asiatische Buschmücke
7 von 7

West-Nil-Fieber:
Asiatische Buschmücken, Überträger von Krankheiten wie dem West-Nil-Fieber, sind nach Angaben von Experten inzwischen auch in Süddeutschland heimisch. Auch die in Deutschland weit verbreitete Gemeine Stechmücke kann das Virus übertragen. Hierzulande sind bislang nur neun aus dem Ausland importierte Infektionen bekannt. Allerdings breitet sich das Virus immer weiter aus. Auch in Deutschland scheinen laut RKI Voraussetzungen für mögliche Ausbrüche gegeben. Infektionen wären durch Stiche von Mücken denkbar, die Kontakt zu infizierten Zugvögeln hatten. Konkrete Anhaltspunkte dafür gibt es bislang nicht.

Während andere vielleicht unter so viel Arbeit stöhnen würden, freut sich Walther über jede Einsendung. „Je mehr Tiere die Leute einschicken, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, unterschiedliche Arten zu finden“, sagt sie. Denn darum geht es bei dem Projekt. Unter www.mueckenatlas.de soll das Portal wertvolle Hinweise auf die Verbreitung der heimischen Stechmückenarten und über eventuell nach Deutschland eingewanderte exotische Spezies liefern.

7250 Einsendungen waren es in der Mückensaison 2016 bisher, weitaus mehr als in den vier Vorjahren seit dem Start des Mückenatlas-Projektes. Und es kommt täglich neue Post. „Mücken überwintern in Dach- oder Kellerräumen, werden da jetzt von den Leuten ebenso gefunden wie an Holzscheiten, die für den Kamin bestimmt sind“, erläutert die Biologin.

Gut die Hälfte der Zusendungen haben Walther und ihre Mitarbeiterin bereits beantwortet, rund 33.500 Mücken bestimmt und kartiert. Etwa 40.000, so schätzt die Biologin anhand der noch unbearbeiteten Zusendungen, werden es für 2016 insgesamt werden. Ein gutes Mückenjahr, wie sie sagt. „Es gab in ausgedehnten Regionen Deutschlands viel Regen und damit genügend Brutstätten für die Pfützen und Regentonnen liebenden Insekten.“

Was bereits jetzt in der Auswertung deutlich wird: Die Asiatische Buschmücke, schon vor Jahren als invasiver Exot nach Süddeutschland eingewandert, breitet sich weiter Richtung Norden aus. Gefangen wurde sie jetzt auch in Thüringen, Sachsen, Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Was sie so problematisch macht: „Sie kann prinzipiell beim Blutsaugen Krankheitserreger aufnehmen und beim nächsten Stich auch wieder abgeben, haben entsprechende Laborversuche ergeben“, erklärt Walther.

Gefährliche Plagegeister
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Deutscher Mückenatlas - Gefährliche Exoten auf dem Vormarsch

1 Kommentar zu "Deutscher Mückenatlas: Gefährliche Exoten auf dem Vormarsch"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Sergio Puntila27.01.2017, 09:30 Uhr
    Der Chefdemokratenfresser als Oberkommentator des HB sondert in gewohnt langweiliger Manier, klingt schon fast andressiert, was Sie hier tagtäglich vor sich hingeifern, werter Mark Hoffmann"

    Ich geifere nicht, ich kommentiere. Ich gebe mir den ganzen Tag große Mühe, jeden, aber auch wirklich jeden Artikel zu kommentieren,
    um die Leute von der grün-sozialistischen Murkselregierung zu warnen.

    Ja, ich bin ein Fan von Trump und Putin, das sind wenigstens noch zwei echte Kerle mit eigener Meinung, nicht wie unser sprechender Hosenanzug!

    Ja, ich bin ein Anhänger der AFD, denn nur diese Partei kann unser Reich noch retten!

    Nein, ich bin nicht arbeitslos und habe deshalb soviel Zeit Kommentare zu schreiben, ich bin arbeitssuchend!
    Danke

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%