Deutscher Zukunftspreis
Superchips und leuchtende Fensterrahmen

Während in Skandinavien die Nobelpreise vergeben werden, rüsten sich in Deutschland vier Teams für die Endphase im Rennen um den Deutschen Zukunftspreis. Neuartige Batterien für Elektroautos stehen ebenso auf der Liste der Wettbewerber wie Leuchtdioden, die nicht nur das Heim verschönern.

HB BERLIN. Batteriebetriebene Autos, hellere Flachbildschirme oder Superchips für Handys und Computer: All das könnte in Kürze aus Forschungsprojekten werden, die in diesem Jahr für den Deutschen Zukunftspreis nominiert sind. Aus 23 Vorschlägen der großen deutschen Wissenschaftsinstitutionen gehen 4 Teams in das Rennen. Sie bewerben sich um den mit 250 000 Euro dotierten Preis des Bundespräsidenten, der am 6. Dezember vergeben wird.

Der Deutsche Zukunftspreis wird seit 1997 vergeben. Unter den Preisträgern finden sich einige Namen, die später als Nobelpreisträger zu noch höheren Ehren gelangten – zuletzt am Dienstag der Physiker Peter Grünberg. Auch die neuen Kandidaten haben ganz im Sinne des Zukunftspreises wissenschaftliche Verfahren entwickelt, die sich in der Praxis gut anwenden lassen.

Das Team der Universität Duisburg-Essen erdachte gemeinsam mit einem Industriekonzern (Evonik Industries, Essen) eine Technologie für sicherere Lithium-Ionen-Batterien mit starker Leistung. Handys, Notebooks, Mini-Kameras oder Akku-Werkzeuge werden heute schon mit Lithium-Ionen-Batterien betrieben. Das Problem für größere elektrische Geräte ohne Stromkabel aber liegt in der Kurzschluss-Gefahr. Die Erfindung der Forscher trennt nun den Plus- und Minuspol einer Batterie mit Hilfe einer hauchdünnen Keramikfolie. Die Zukunft für ihre Entwicklung sehen die Forscher unter anderem in elektrischen Autos. „Mit einer 100 Kilo schweren Batterie kann man rund 250 Kilometer weit fahren“, sagte Sprecher Andreas Gutsch. Ein Laborauto zum Testen gibt es bereits.

Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik in Jena hat in Zusammenarbeit mit dem Regensburger Unternehmen Osram Opto Semiconductors Leuchtdioden gleich dreifach verbessert: Die Forscher entwickelten neue Chips, ein Gehäuse und eine Spezialoptik. Damit kann die Technik in neuen Bereichen strahlen. Flachbildschirme, Ampeln oder Straßenlaternen könnten mit LEDs ausgestattet werden – selbst leuchtende Fensterrahmen sind möglich. Eingebaut werden solche Dioden bereits in Autoscheinwerfern.

Die Carl Zeiss SMT AG in Oberkochen (Baden-Württemberg) hat mit weicher Röntgenstrahlung, Spiegeln und Hochvakuum einen Hochleistungs-Computerchip entwickelt, der Rechner und elektronische Geräte noch leistungsfähiger machen kann. An Methoden für eine effektivere Pharmaforschung arbeiten ein Team der Universität Freiburg und das Münchner Start-Up Unternehmen Nanion Technologies. Sie verbesserten ein Verfahren, um elektrische Ströme in Zellen zu messen (Patch-Clamping). Statt stundenlang mit einer Glaspipette zu hantieren, um wenige Zellen zu untersuchen, erlaubt das neue Verfahrens eine Art molekulare Rasterfahndung für die Medikamentenentwicklung. Nach Angaben der Entwickler werden die neuen Geräte samt neuem Biochip bereits von großen Pharmafirmen genutzt.

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