Deutsches Forschungsschiff in Japan
Die „Sonne“ auf den Spuren des Megabebens

Japan will mit deutscher Hilfe das verheerende Fukushima-Beben von 2011 so genau wie möglich erforschen: Das Forschungsschiff „Sonne“ geht vor Ort mit modernster Technik auf Spurensuche. Ein Besuch im Hafen von Yokohama.

YokohamaDer Hafen von Yokohama hatte jüngst eine deutsche Attraktion. Das Forschungsschiff „Sonne“ dümpelte am besten Platz im Hafen der japanischen Millionenmetropole, dem Osanbashi-Pier, vor sich das japanische Segelschulschiff „Kaiwo Maru“, im Hintergrund ein Kreuzfahrtschiff. „Während wir in unserer Lounge saßen, wurden wir die ganze Zeit von Japanern fotografiert“, erzählt Martin Kölling, Wissenschaftler am Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (Marum) an der Universität Bremen und trotz Namensgleichheit nicht mit dem Autor dieses Textes verwandt.

Wahrscheinlich haben die Hafenbehörden dem Schiff aus Deutschland den edlen Liegeplatz mit Absicht zugewiesen. Ein Grund mag die Optik der Sonne sein: Wann kommt schon mal ein ausgewachsenes Hochsee-Forschungsschiff vorbei? Und dann auch noch eines der neuesten Generation, dem man zudem an kleinen Details anmerkt, dass es von Deutschlands Kreuzfahrtspezialisten gebaut wurde, der Meyer-Werft in Papenburg.

Die alte „Sonne“, die 2012 Yokohama besuchte, war ein umgebauter Fischtrawler aus den 1960er Jahren. Die 2014 in Dienst genommene Nachfolgerin ist mit 118 Metern Länge und 20,60 Breite nicht nur deutlich größer und mit ihrem schwarzen Rumpf, den weißen Aufbauten und den roten Kränen fotogener. Sie ist auch viel komfortabler.

Normalerweise sei die Kombüse im Bug unter der Wasserlinie untergebracht, witzelt ein Crewmitglied. Nun liegen Restaurant und Lounge im Vorschiff in gehobener Lage, rote Drehsessel und Panaromafenster inklusive.

Die „Sonne“ auf innovativer Mission

Der zweite Grund für die Vorzugsbehandlung dürfte die große Bedeutung der Forschungsreise gerade für Japans Erdbebenforscher sein. „Wir sind hier recht innovativ unterwegs“, erklärt Fahrtleiter Michael Strasser, externer Mitarbeiter am Marum und Professor an der Universität Innsbruck. Immerhin hilft das Team des Marum den Japanern bereits seit 2012, Mechanismen von Erdbeben besser zu verstehen und eine weltweit einmalige Erdbebengeschichte zu schreiben.

Nirgendwo sonst auf der Welt können Forscher so kurz nach einem geologischen Ereignis von Weltrang die Auswirkungen am Meeresboden so genau erforschen wie in Japan. Am 11. März 2011 wütete ein Mega-Erdbeben der Stärke 9 in einer Region, die von den Japanern in den Jahrzehnten zuvor sehr gut kartographiert worden war.

Was die Wissenschaftler heute untersuchen, war seinerzeit eine Tragödie für die Menschen. In einer Sekunde sprang der Seeboden im Japan-Graben, wo sich die pazifische Platte unter die Ochotsk-Platte schiebt, 50 Meter weit nach Osten. Dies verursachte einen Riesentsunami, der an Japans Nordostküste fast 19.000 Menschen tötete und das Atomkraftwerk Fukushima 1 zerstörte.

Dank der „Sonne“ können die Wissenschaftler nun schon zum zweiten Mal die Spuren des Bebens am Meeresgrund untersuchen. Deutschland hatte damals nach der Katastrophe spontan seine Hilfe angeboten. Und die Japaner nahmen sie dankend an. 

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