Dian Fossey
Tod in den Gorillabergen

Gorillas waren ihr Leben. Vor 25 Jahren wurde die Verhaltensforscherin Dian Fossey tot in Ruanda aufgefunden. Die grausame Tat ist bis heute nicht aufgeklärt. Ihr Lebenswerk bleibt umstritten. Ein Kollege resümiert: "Am Ende hat sie mehr Schlechtes als Gutes bewirkt".
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NAIROBI/RUHENGERI. Auch Jahre nach ihrem gewaltsamen Tod spaltet Dian Fossey die Gemüter. Für die einen war sie die selbstlose Retterin der Berggorillas in den Virunga-Bergen zwischen Ruanda, Kongo und Uganda, der erste Mensch, dem eine echte Kontaktaufnahme zu den Menschenaffen gelang. Andere beschreiben sie als ichbezogene, unbeherrschte, am Ende ihres Lebens zunehmend isolierte und verbitterte Frau, die Wissenschaftskollegen brüskierte und Afrikanern mit Herablassung und Ablehnung begegnete.

Unbestritten ist ihr Einsatz für den Schutz der Berggorillas, einer der weltweit besonders bedrohten Tierarten. Vor 25 Jahren, am 27. Dezember 1985, wurde die gebürtige Amerikanerin in ihrem Camp Karisoke in Ruanda ermordet aufgefunden. Die Tat wurde bis heute nicht wirklich aufgeklärt.

Für Tiere hatte sich die 1932 geborene Fossey schon immer interessiert. Ein Studium der Tiermedizin scheiterte an ihren schlechten Prüfungsergebnissen in Chemie und Physik. Der Traum, nach Afrika zu gehen und wilde Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben, blieb und wurde nur noch stärker, nachdem die als Verhaltenstherapeutin arbeitende Fossey 1966 während einer Afrikareise erstmals Gorillas gesehen hatte.

Sie bewarb sich bei dem berühmten Anthropologen Louis Leakey um eine Stelle - und hatte Glück. Ende 1966 konnte sie ihre Arbeit im damaligen Zaire (heute Kongo) aufnehmen, musste aber wegen des dortigen Bürgerkriegs ins benachbarte Ruanda ausweichen. Sie gründete die Forschungsstation Karisoke in den Virunga-Bergen, wo sie 18 Jahre ihres Lebens verbrachte. Die Einwohner der umliegenden Dörfer nannten sie "Nyiramacibili" - die "Frau, die alleine in den Wäldern lebt".

Für Fossey waren die Gorillas nicht nur Inhalt ihrer wissenschaftlichen Arbeit, sie wurden zum Lebensinhalt, zum Familienersatz. Vor allem den Verlust von Tieren durch Wilderer nahm Fossey persönlich. Sie startete einen regelrechten Kreuzzug gegen Wilderer und zerstörte nicht nur ihre Fallen, sondern ließ auch zur "Strafe" ihre Häuser und Felder niederbrennen. Mit ihrem Vorgehen brachte sie nicht nur viele Menschen der Umgebung gegen sich auf, auch Wissenschaftler warfen ihr zunehmenden Fanatismus vor.

"Am Ende hat sie mehr Schlechtes als Gutes bewirkt", resümierte eine ehemalige Mitarbeiterin schon vor Jahren in einem Interview.

"Sie liebte die Gorillas und den Busch, aber sie wollte nicht planen und organisieren. Sie war eine schlechte wissenschaftliche Mentorin und sie konnte keine Kontrolle abgeben." Ihr Tod jedoch sei "das perfekte Ende" gewesen, meinte Fosseys Schülerin Kelly Stewart: "Sie sah sich selbst als eine Kriegerin, die hinaus ging, um den Feind zu konfrontieren. Sie hat immer über eine letzte Begegnung fantasiert."

Fossey erlebte nicht mehr den Erfolg der internationalen Bemühungen, die Berggorillas besser zu schützen. Anfang der 80er Jahre war die Zahl der Tiere auf 250 zurückgegangen. Nach der jüngsten Zählung leben inzwischen wieder mehr als 800 Tiere in den Vulkanbergen in Ruanda, dem Kongo und Uganda.

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