Die Bahn rüstet um

So sollen Güterzüge leiser werden

Lärm macht krank – das wissen Anwohner von Bahnstrecken oft aus leidvoller Erfahrung. Tausende Güterwagen bekommen deshalb neue Bremsen. Für die Bahn drängt die Zeit, denn der Bund setzt ihr die Pistole auf die Brust.
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1200 Güterwagen haben in den vergangenen drei Jahren in Seddin neue Bremsen bekommen. Quelle: dpa
Güterwagen auf dem Güterbahnhof in Seddin (Brandenburg)

1200 Güterwagen haben in den vergangenen drei Jahren in Seddin neue Bremsen bekommen.

(Foto: dpa)

SeddinAxel Radowsky muss schon recht tief in die Knie gehen, um die zwei Buchstaben zu zeigen. Zwei große gelbe L in einem Kreis, aufgesprüht auf das rot-braune Fahrgestell eines Güterwagens. An dem Kürzel erkennen lärmgeplagte Bahn-Anwohner, ob der Wagen die neue lärmmindernde Bremstechnik hat. Dass die Menschen das auch hören können, dafür sind Fertigungssteuerer Radowsky und seine Kollegen im Bahnwerk Seddin zuständig.

LL, das steht für Low noise und Low friction, wenig Lärm durch wenig Reibung. Gemeint sind die Bremsen. 1200 Güterwagen haben in den vergangenen drei Jahren in Seddin neue Bremsen bekommen.

Bundesweit fährt inzwischen die Hälfte der Güterwagen der Deutschen Bahn mit sogenannten Flüsterbremsen – nach „einer internen Kraftanstrengung“, wie DB Cargo-Chef Jürgen Wilder sagt. „Bis Ende 2020 wird unsere gesamte Flotte in Deutschland von rund 64 000 Wagen leise fahren.“

Das sind die aktuellen Superzüge
China: Fuxing
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Der neue Hochgeschwindigkeitszug Fuxing soll ab September 2017 auf der Strecke Peking - Shanghai eingesetzt werden. Chinas Superzug ist 350 km/h schnell und darf diese Geschwindigkeit jetzt auch wieder fahren, nachdem es über Jahre hinweg ein „Tempolimit“ von 300 km/h auf Chinas Gleisen gab.

China: Fuxing
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Grund für die Geschwindigkeitsbegrenzung war ein schwerer Unfall im Jahr 2011: Beim Zusammenstoß zweier Schnellzüge starben damals Dutzende Menschen.

Deutschland: ICE
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Ende 2017 soll die vierte Generation des ICE in den Regelbetrieb aufgenommen werden, mit besseren Klimaanlagen, größeren Fenster und Stellplätzen für Fahrräder. Kostenloses WLAN in der 2. Klasse wird es bis dahin schon geben – das verspricht jedenfalls die Bahn.

Italien: Alstom Pendolino
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In Italien konkurrieren zwei Anbieter von Schnellzügen um die Kunden. Neben der Staatsbahn Trenitalia gibt es seit 2012 auch die privaten Italo-Züge. Italo bedient mit seinen schnellen und modernen Zügen des französischen Konzerns Alstom weniger Strecken als Trenitalia, setzt aber vor allem auf Komfort und Service. So gibt es in der ersten Klasse Essen am Platz, dazu kommen WLAN und die Möglichkeit eines eigenen Unterhaltungsprogramms. (Foto: pr)

Italien: Frecciarossa 1000
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Trenitalia hat vor kurzem seinen neuen Frecciarossa 1000 präsentiert, der bis zu 400 Stundenkilometer schnell fährt. Die Freccia-Züge setzen eher auf gute Verbindungen, hohe Geschwindigkeit und wenige Haltepunkte. In den Schnellzügen beider Anbieter gilt generell eine Reservierungspflicht. (Foto: dpa)

Spanien: AVE
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In Spanien hebt das staatliche Eisenbahnunternehmen Renfe vor allem die Pünktlichkeit der mit Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 310 Stundenkilometern fahrenden Schnellzüge hervor. Ab Herbst sollen die Waggons zunächst auf der Strecke zwischen Madrid und Barcelona mit WLAN ausgestattet werden. Der Hochgeschwindigkeitszug AVE hat im Juli 1,84 Millionen Reisende transportiert und damit einen neuen Rekord aufgestellt.

Spanien: AVE auf Jungfernfahrt (1992)
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Mit einem Streckennetz von knapp 3150 Kilometern ist das AVE-System im europäischen Highspeed-Sektor führend. In den kommenden Jahren soll das Netz für rund zwölf Milliarden um weitere 1850 Kilometer erweitert werden. Geplant sind außerdem 30 neue Züge im Wert von 2,65 Milliarden Euro.

Im Bahnwerk Seddin südlich von Berlin steigt Fertigungsleiter Mario Krüger unter einen Wagen. Zwei Hammerschläge an der Bremse, dann springt ein Keil raus, und die Bremssohle lässt sich herausnehmen – ein ziegelsteingroßes, gebogenes Stück Eisen, das zum Bremsen gegen das Rad gedrückt wird. Neue Bremssohle rein, Hammerschläge auf den Keil, fertig. „16 Sohlen pro Wagen tauschen wir so aus“, sagt Krüger.

Die neuen Bremsklötze sind nicht aus Eisen, sondern aus einem Verbundkunststoff. „Flüsterbremse“, diesen Werbebegriff hat sich die Bahn-Branche dafür ausgedacht, doch er führt in die Irre. „Es geht nicht um das Bremsen. Das wird immer Geräusche machen“, erklärt Radowsky.

Aber die Kunststoffbremse raut die Radoberfläche weniger auf als die herkömmlichen Eisenstücke. Und das senkt den Lärm – auch wenn das Wort „Flüstern“ übertrieben ist. Die Technik soll die Lautstärke um etwa 10 Dezibel auf rund 75 Dezibel senken – was als Halbierung wahrgenommen wird.

Wenn in 25 Metern Entfernung ein Güterzug vorbeirattert, ist es dann noch in etwa so laut wie in einem Café. Das ist eine Entlastung für Anwohner an stark befahrenen Güterstrecken wie etwa im Mittelrheintal, aber auch an Innenstadt-Routen wie in Berlin-Pankow.

Schienenlärm bis 2020 halbieren
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1 Kommentare zu "Die Bahn rüstet um: So sollen Güterzüge leiser werden"

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  • Der Güterverkehr der Bahn wurde zugunsten der LKW-Lobby systematisch zerschlagen. Eine funktionierende Infrastruktur mit Stückgut, Bahnexpress einfach abgeschafft.

    Die Bahntochter Schenker fährt die Fracht mit dem LKW.
    Es stellt sich die Frage wem der Lobby-Einfluss zu gute kommt.

    Es wird von ferngesteuerten LKW's gelabert, die Blechkisten-Vereine erhalten Milliarden Fördergelder für Humbug.

    Meine Modelleisenbahn ist schon seit Jahrzehnten digitalisiert, mit einem Bruchteil der Kosten.

    Die Ober-Fuzzys der Bahn woher kommen sie aus der Politik, Justiz, ehemalige Schlüsselfiguren Hauptstadt Flughafen.

    Sollten mal Urlaub in der Schweiz machen, dort weiß man wie es funktioniert!

    Die Lösung ist eine plebiszitäre Demokratie, keine Parteien-Diktatur !

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