Die Brennstoffzelle im Stadtverkehr
Busse der Zukunft brummen und stinken nicht

30 „Fuel Cell“-Fahrzeuge aus der Citaro-Serie werden in zehn europäischen Städten erprobt – von Reykjavik bis Porto. Im Rahmen des EU-Projektes „Cute“ (Clean Urban Transport for Europe) wollen die Fachleute die Einsatzfähigkeit der neuen Technologie unter vielfältigen klimatischen und topografischen Bedingungen testen.

DÜSSELDORF. In Hamburg und in Stuttgart fahren demnächst erste Serien-Omnibusse, die mit einem Brennstoffzellenantrieb ausgestattet sind. Die erste Betriebserprobung der mit großen Hoffnungen bedachten Zukunftstechnologie, bei der aus der Verbrennung von Wasserstoff und Sauerstoff Energie gewonnen wird, dauert zwei Jahre.

In Stuttgart werden es die Fahrgäste der Linie 44, in Hamburg die der Linie 24 sein, die das neue Fahrgefühl live erleben können. „Jeder Fahrgast wird begeistert sein, wie leise und komfortabel dieser Bus durch die Stadt gleitet“, freut sich Daimler-Chrysler-Forschungsvorstand Thomas Weber schon vor der Premiere. Und Günter Elste, Chef der Hamburger Hochbahn AG, war anlässlich der Präsentation des ersten Fahrzeugs vor einigen Wochen auf einem Fachkongress in Madrid beeindruckt davon, dass die Fahrzeuge völlig vibrationsfrei ihren Liniendienst absolvieren.

Rein äußerlich unterscheiden sich die Busse aus dem „Citaro“- Stadtbus-Programm von Mercedes-Benz durch einen windschnittig verkleideten Dachaufbau erst auf den zweiten Blick von der Standard-Variante mit Dieselantrieb. Über den Köpfen von bis zu 70 Fahrgästen sind die Brennstoffzellen und Druckgas-Flaschen mit komprimiertem Wasserstoff installiert. Der eigentliche Bus-Antrieb, ein Elektromotor, ist mitsamt Automatik-Getriebe im Heck des Fahrzeuges untergebracht. Der Motor beschleunigt das Fahrzeug auf maximal 80 km/h. Mit dieser Technik kann der Bus ohne weitere Versorgung rund 200 Kilometer zurücklegen – genug für ein tägliches Pensum im städtischen Liniendienst.

Das Prinzip der Brennstoffzelle hat der englische Physiker William Grove bereits 1839 entdeckt. Der Daimler-Chrysler-Konzern, der in die Entwicklung dieser Antriebstechnologie nach Aussagen von Forschungsvorstand Weber bereits 1 Mrd. Euro investiert hat, beschreibt Brennstoffzellen als kleine elektrochemische Kraftwerke, die bei der Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff elektrische Energie frei setzen. Die kann dann einen Elektromotor antreiben.

Gegenüber herkömmlichen Verbrennungsmotoren hat das zwei wesentliche Vorteile. Der eine: Der Wirkungsgrad, der die Umwandlung der eingesetzten Energie in Antriebskraft beschreibt, liegt bei der Brennstoffzelle, so Daimler-Chrysler, doppelt so hoch wie bei klassischen Motoren. Der zweite Vorteil: Das was hinten heraus kommt, ist absolut schadstofffrei – es ist reiner Wasserdampf.

Nicht nur an der Elbe und am Neckar gehen die sauberen Flüsterbusse in den Versuchsbetrieb. 30 „Fuel Cell“-Fahrzeuge aus der Citaro-Serie werden in zehn europäischen Städten erprobt. Dabei testen die Fachleute die Einsatzfähigkeit der neuen Technologie unter vielfältigen klimatischen und topografischen Bedingungen – bei klirrender Winterkälte im Norden bis zur Sommerhitze auf der iberischen Halbinsel, vom Flachlandverkehr in Hamburg bis zu den Berg– und Taltouren in Stuttgart.

In dem Großversuch werden – das ist der zweite Schwerpunkt des Cute-Programms – auch die unterschiedlichen Möglichkeiten der Wasserstoff-Erzeugung getestet. Unter Beteiligung des Mineralölkonzerns BP und der Elektrizitätswirtschaft werden an jedem Standort unterschiedliche Verfahren erprobt, teils unter Einsatz von Wind- und Solarenergie.

Bis die Flüsterbusse überall fahren werden, wird noch Zeit vergehen. Selbst wenn die Brennstoffzelle alle Erwartungen erfüllt, ist sie derzeit noch zu teuer. So kostet ein Citaro-Bus mit dem innovativen Dachaufbau vier mal soviel wie ein gewöhnlicher Linienbus.

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