Die heimliche Weltraum-Macht
Japan schickt seine erste „Robokete“ ins All

Dank künstlicher Intelligenz kann die erste Roboterrakete per Laptop gelauncht werden und fliegt auf Sparkurs. Mit dem Start der „Epsilon“ unterstreicht Japan seine Ambitionen in der kommerziellen Raumfahrt.
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TokioJapans Weltraumbehörde Jaxa ist am Sonnabend ein technisches Husarenstück geglückt: Vom südjapanischen Raumfahrtzentrum Uchinoura hob die „Epsilon“ ab,  die erste Rakete, die sich dank eingebauter künstlicher Intelligenz vor dem Start selbst durchcheckt. „Ich nenne sie Robokete“, sagte Jaxas Projektleiter Yasuhiro Morita Handelsblatt Online vor dem Start. Nun transportierte sie erfolgreich einen kleinen Satelliten ins All.

Der Jaxa ist damit etwas geglückt, dass Morita unbescheiden als „Revolution der Starttechnik“ bezeichnet. Der Mensch am Boden wird wegrationalisiert. Statt wie seit Mondflugs Zeiten müssen nicht mehr Heerscharen wochenlang ihre anfälligen Flugkörper überprüfen. Algorithmen machen das allein.

Das Resultat: Statt in sechs Wochen kann nun eine handvoll Ingenieure die Rakete in sieben Tagen startklar machen. Und statt eines teuren Lagezentrums reichen zwei Notebooks für den Abschuss der Festbrennstoffrakete. „Einer würde im Prinzip reichen“, meint Morita, „aber sicherheitshalber haben wir zwei als Back-up dabei."

Mit dem gelungenen Start unterstreicht Japan seine Ambitionen in der kommerziellen Satellitenindustrie. Die Epsilon soll die Kosten für Raketenstarts soweit drücken, dass auch ärmere Kunden ihre eigenen Trabanten ins All schicken können.

Das Ziel ist ambitioniert. Falls Jaxas Entwicklungspartner, der Schiffs- und Anlagenbauer IHI, wie geplant 2017 mit der Serienfertigung beginnen kann, soll die Rakete kleine Satelliten mit bis zu 1,2 Tonnen Gewicht für unter drei Milliarden Yen (22 Millionen Euro) in eine niedrige Erdumlaufbahn befördern.

Zum Vergleich: Der Start ihrer Vorgängerin M-5 kostete fast das doppelte, der einer mit 53 Meter mehr als doppelt so langen Flüssigbrennstoffrakete H2A der Jaxa noch das 30-fache. Aber deren Nachfolger soll auch mit künstlicher Intelligenz auf Sparkurs gebracht werden, kündigt Morita an.

Kritiker warnen allerdings, dass der Wunsch Science-Fiction bleiben könnte. Nicht nur hat die Epsilon eine der niedrigsten Zuladungen auf dem Weltmarkt. Zudem gibt es die Nische, auf die sie zielt, bisher nicht. Kleine Satelliten reisen Huckepack mit großen mit. Und wenn die Epsilon einen Markt schaffen sollte, muss sie sich gegen starke Konkurrenz aus Russland, den USA, Europa und neuerdings auch Indien und China behaupten.

Eines ist allerdings klar: Die Jaxa beweist mal wieder, dass sie zu Unrecht im Schatten von Chinas Weltraumprojekten steht. „Das japanische Weltraumprogramm ist ein herausragender Erfolg, wenn man auf die Technologie und die Kosten schaut“, meint der Weltraumfachmann Paul Kallendar-Umezo in Tokio.

Die Japaner sind bei der internationalen Raumfahrtstation dabei. Aber sie haben darauf verzichtet, medienwirksam allein Menschen ins All zu schießen. Stattdessen hat die Jaxa mit ihrem kleinen Budget die großen technischen Durchbrüche der vergangenen Jahre finanziert. 

Hayabusa, der längste Flug eines Raumschiffes mit Zwischenlandung auf einem Asteroiden und Wiederkehr, testete erfolgreich Ionen-Raketenantriebe. Im Jahr 2007 folgte Kaguya, die größte Mondmission seit den Apollo-Flügen der Nasa. Und die solare Segelyacht Ikaros kreuzte mit Sonnensegeln angetrieben vom Sonnenlicht zur Venus - und wurde für den ersten interplanetaren Segeltörn 2012 ins Guiness-Buch aufgenommen.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent

Kommentare zu " Die heimliche Weltraum-Macht: Japan schickt seine erste „Robokete“ ins All"

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  • Die Amerikaner machen das alles noch rein manuell. Die gehen tagelang um die Rakete rum und ziehen Schrauben nach, Überprüfen Druckverbindungen und testen jede Dichtung von Hand. Zum Schluß wird die Tür von Hand verriegelt und die Rampe mit Manneskraft weggeschoben. Die Zündung erfolgt dann wie bei den Feuersteins, auf natürliche Weise durch Reibung und Funkenflug.

    Ich dachte, der 1. April sei vorbei?

  • O-Ton Oliver Stock
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    Ich möchte es Ihnen möglichst leicht machen, Ihre Meinung hier niederzuschreiben, denn wir bei Handelsblatt Online sehen uns als Plattform für Diskussionen.
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    Selten so gelacht.

    Bei den sogenannten "Topthemen" (O-Ton Handelsblatt) gibt es keine Kommentarfunktion:

    "USA und Russland einig über Giftgas-Entwaffnung"

    "Milliardenforderung an Deutschland: Linkspartei widerspricht griechischer Syriza"

    "Frankreich will feiern – Deutschland guckt zu"

    Ebensowenig bei den aktuellen Themen:

    12:00 "Ingrid" richtet Chaos in Mexiko an
    11:52 Lanxess will zukaufen
    11:28 Eigentlich ist Gold geschmacklos

    Die Ausrede der Zensur - "Pöbeleien" - ist unglaubwürdig.

    Zumindest bei den Kommentaren zu "Frankreich will feiern – Deutschland guckt zu" war davon nicht sehr viel zu sehen.

    Weshalb ich davon ausgehe, daß hier ein Zensor einfach politisch unliebsame Meinungsäußerungen brutal gelöscht hat.
    (...)
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Jetzt bin ich echt baff!
    Das ist nicht schon längst Stand der Technik?

    Wie rückständig sind die anderen Weltraumnationen eigentlich?

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