Die Hummel für den Stadtverkehr ist auch als Ambulanz und für Militär-Einsätze vorgesehen
Englische Firma will Idee vom fliegenden Taxi verwirklichen

Eilige Geschäftsleute, die schnell vom Flughafen in die Innenstadt oder von einem Flugplatz zum anderen wechseln müssen, haben unter Umständen in Zukunft die Wahl: Fahre ich oder fliege ich? Die englische Gesellschaft Avcen projektiert ein schnelles, leises und angeblich auch kostengünstiges Fluggerät für den Kurzstreckenverkehr in Städten.

DÜSSELDORF. Keine Fiktion wie im Film „The Fifth Element“ mit Bruce Willis als fliegender Chauffeur. Avcen will offenbar ein echtes „fliegendes Taxi“ entwickeln lassen – Arbeitstitel „Jetpod“. Avcen ist selbst ein potenzieller Nachfrager: Seit 1989 hat sich die Firma auf dem Londoner Flughafen mit Hubschraubern und Leichtflugzeugen für Bedarfsflüge etabliert. Den Kunden, die bisher laute und teure Hubschrauber für kurze Transfers nutzen, will Avcen mit den Jetpods eine bequemere und preiswertere Alternative bieten.

Optisch ähnelt das gedrungene Flugzeug einer mechanischen Hummel. Mike Dacre, Generaldirektor von Avcen, will seine Fluggäste mit großen Fenstern, breiten Sitzen und Taxi-Preisen verwöhnen: Ein Flug über 50 Kilometer würde nur wenige Minuten dauern und rund 60 bis 80 Euro kosten. Ein Jetpod könne etwa 50 Mal am Tag abheben.

Das Fluggefährt für fünf Passagiere soll nach Firmenangaben mit einer extrem kurzen Start- und Landestrecke von etwa 125 Metern auskommen. Weil dafür in der Theorie ganz normale Straßen ausreichen, werde die Maschine mit einem besonders kräftigen Fahrgestell ausgestattet. Für das Verkürzen der Rollstrecke am Boden können die Motoren nach der Landung voll auf Umkehrschub geschaltet werden. Für das schnelle Abheben könne ein Teil des Triebwerkschubs durch die Flügel nach unten umgeleitet werden. Mike Dacre, wirbt damit, dass der Lärm nur etwa halb so groß sein werde wie bei vergleichbaren, kleinen Düsentriebwerken. Da die Triebwerke mit je 1,5 Tonnen Schub auf den Flügeln stehen und so nach unten abgeschirmt sind, sei ein in 90 Meter Höhe fliegender Jetpod nicht lauter als normales Straßengeräusch. Die Geschwindigkeit soll bei 550 Stundenkilometern liegen, die Flughöhe bei nur 250 Metern.

Die Idee des fliegenden Autos hat schon viele fasziniert: So hatte am 17. November 1947 die Consolidated Vultee Aircraft Company in San Diego ihr aus Glasfaser-Kunststoff gefertigtes Convaircar in die Luft gebracht. Einige Tage später zerschellte der Prototyp des wohl ersten fliegenden Autos in der kalifornischen Wüste. Auch alle seither entworfenen Konzepte und getesteten Prototypen hatten keinen kommerziellen Erfolg. „Wenn man Auto und Flugzeug verschmelzen will, holt man eben das Schlechteste aus beiden Welten zusammen und bekommt ein sehr schweres, langsames und teures Fahrzeug, das obendrein noch schwierig zu benutzen ist“, fasst Mars Moore von der Nasa die Schwierigkeiten zusammen.

Auch Pläne mit Senkrechtstarten, die seit den sechziger Jahren ins Spiel kamen, sind gescheitert. Diese Flugkörper, die mit Hilfe von nach unten gerichtetem Triebwerksschub aufsteigen, kommen schon wegen ihrer außergewöhnlich starken Lärmentfaltung für Kurzstreckenflüge in Städten nicht in Frage.

Dennoch prüft auch die US-Luft- und Raumfahrtbehörde erneut in einem Fünf-Jahres-Programm die Machbarkeit der fliegenden Autos. Die Kernfrage: Ist die Technologie vorhanden, um für weniger als 100 000 Dollar Stückpreis ein Kleinflugzeug zu bauen, das auf kleinen Regional-Flugplätzen starten kann, nicht lauter ist als ein Motorrad und ebenso leicht zu dirigieren ist wie ein Auto? Auch Boeing hat inzwischen ein kleines Testmodell entwickelt, um zu prüfen, ob sich der alte Traum vom fliegenden Auto nicht vielleicht doch realisieren lässt.

Avcen peilt nach eigenen Angaben einen Preis von etwa 750 000 Euro pro Flugzeug an. In Kooperation mit dem Forschungszentrum der Universität London prüfe man verschiedene Verbundwerkstoffe für die Herstellung der Jetpods.

Ein Test-Modell soll nach Avcen-Plänen 2006 abheben, doch mit der Zulassung des ersten operationellen Jetpods sei erst Ende des Jahrzehnts zu rechnen. Ungeklärt ist noch die Finanzierung. Als wesentlichen potenziellen Geldgeber nennt das Unternehmen die Vereinigten Arabischen Emirate. An kühnen Ideen mangelt es den Briten nicht: Neben der Nutzung als Flug-Taxi könne der Jetpod auch als Privatjet, als fliegende Ambulanz oder als Militärmaschine dienen – mit einem Aktionsradius von etwa 480 Kilometern.

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