Die Nasa im Spagat
Sparzwang überschattet Zukunft der Raumfahrt

Nach dem Absturz der Weltraumfähre Columbia vor sieben Monaten und den daraus resultierenden Vorwürfen an das Management der US-Weltraumbehörde Nasa sieht sich die Nasa mit Forderungen nach Einsparungen konfrontiert. Auch die Frage nach dem Nutzen der bemannten Raumfahrt wird laut.

HB/dpa WASHINGTON. Es hagelt Ohrfeigen im Abschlussbericht über den Absturz der Weltraumfähre Columbia vor fast sieben Monaten. Am Pranger steht die US-Weltraumbehörde Nasa. Schwere Management-Fehler haben nach Überzeugung der Ermittler mindestens ebenso zu dem Desaster beigetragen wie der konkrete Auslöser des Unglücks: das abgerissene Stück Isolier-Schaumstoff, das schon kurz nach dem Start ein verheerendes Loch in den linken Flügel riss und die Fähre 16 Tage später beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre über Texas ins Verderben stürzte.

Diese Vorwürfe kennt Nasa-Chef Sean O'Keefe. Bereits während der Untersuchung hatten die unabhängigen Ermittler mit scharfer Kritik nicht hinter dem Berg gehalten. Dass die Entscheidungsträger von mehreren Warnungen vor möglichen Problemen gar nichts erfuhren, dass Vorgesetzte Empfehlungen von Untergebenen leichtfertig in den Wind schlugen, ist bekannt. „Es ist klar, dass es Probleme mit dem Informationsfluss und den Entscheidungsprozessen gibt“, räumte er bereits ein.

O'Keefe ist optimistisch, dass er die Kommunikationsprobleme in den Griff bekommen wird. „Wir mögen Prügel beziehen. Aber wir gehen gestärkt aus dieser Sache hervor“, hämmerte er Mitarbeitern am Goddard Space Flight Center unlängst ein. Doch unabhängig davon stellt sich die Frage, wie es überhaupt weitergehen soll mit der Weltraumforschung. Der Kongress hat für diesen Herbst schon eine Serie von Anhörungen angekündigt, die vor dem Hintergrund des Untersuchungsberichts das gesamte Konzept der Nasa in Frage stellen dürften. Im Kongress sitzen diejenigen, die das Sagen über die künftige Finanzierung der Raumfahrtforschung haben.

Frage nach dem Nutzen der bemannten Raumfahrt

Die horrenden Kosten sind seit Jahren ein Stein des Anstoßes. Der Sparzwang hat nach Überzeugung von Experten die Sicherheit der Astronauten schon aufs Spiel gesetzt. Etatkürzungen von bis zu 40 Prozent in zehn Jahren haben die Infrastruktur der Nasa nach ihrer Ansicht gefährlich geschwächt. Wartungsarbeiten und Modernisierungen kamen dabei zu kurz. „Ich habe mir noch nie größere Sorgen über die Sicherheit der Shuttles gemacht als heute“, warnte schon vor eineinhalb Jahren der Vorsitzende des Beirats für Raumfahrtsicherheit, Richard Blomberg, bei einer Kongressanhörung.

Schon werden erste Stimmen laut, die den Nutzen der bemannten Raumfahrt in Frage stellen. „Vergleichen sie die Kosten für das Hubble-Teleskop und die unglaublichen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die wir dadurch gewonnen haben, mit dem Ausgaben für die Raumstation ISS, die erheblich mehr kostet und wahrscheinlich nur wenige wissenschaftliche Erkenntnisse liefert“, meinte der republikanische Abgeordnete Vernon Ehlers in einem Radio-Interview.

Nasa setzt Kurs unbeirrt fort

Welche Konsequenzen muss die Behörde also aus dem verheerenden Unglück ziehen, das die gesamte bemannte Raumfahrt in eine tiefe Krise gestürzt hat? Mit dem Ausfall der Shuttle-Flotte, die bislang den Großteil der Ausstattung für die Internationale Raumstation (ISS) ins Weltall brachte, sind sämtliche wissenschaftlichen Weltraumprogramme, auch die europäischen, um Jahre zurückgeworfen worden. Welche der ambitiösen Forschungsprogramme sollen gekürzt, welche anderen Nasa-Projekte aufgegeben werden, um die neuen, noch strengeren Sicherheitsanforderungen für die bemannte Raumfahrt zu erfüllen?

Noch setzt die Nasa ihren Kurs unbeirrt fort. Sie will neue Raumfähren künftig mit Rettungskapseln für die Astronauten ausstatten. Das war bislang aus Zweifeln an der Machbarkeit und aus Kostengründen verworfen worden. Die neue Flotte, seit Jahren auf die lange Bank geschoben, hat seit dem Unglück höchste Priorität. 135 Millionen Dollar bewilligte die Behörde im April dafür. Wie das neue Vehikel aussehen und wer es bauen soll, wird frühestens im Herbst 2004 entschieden. Wie teuer das Ganze wird, steht noch in den Sternen.

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