Die Nasa und ihre Shuttles
Flügellahme Raumfähre

Die US-Raumfähre „Discovery“ kommt nicht vom Fleck. Nach mehreren Startverschiebungen wegen technischer Probleme hat die Nasa jetzt einen Start für Mitte März ins Auge gefasst.Doch ob das flügellahme Shuttle dann wirklich abhebt, ist noch völlig offen.
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dpa WASHINGTON. Noch vor ein paar Jahren waren die Shuttles, die wiederverwendbaren Raumfähren, der Stolz der amerikanischen Raumfahrt - das Juwel aller Weltraumvehikel, ein Triumph der Technik „made in USA“, dem keine andere Nation das Wasser reichen konnte. Selbst die beiden Katastrophen der „Challenger“ (1986) und der „Columbia“ (2003) konnten das Image der Shuttles kaum trüben. Doch immer wiederkehrende technische Probleme und fast schon zur Routine gewordene Startverschiebungen haben die Raumfähren in Verruf gebracht.

Zwar sollen die drei verbliebenen Orbiter nach über 25 Dienstjahren im Mai nächsten Jahres in Pension geschickt werden. Doch angesichts der aktuellen Probleme erhebt sich die Frage, ob die alten Arbeitspferde der bemannten Raumfahrt noch so lange durchhalten.

Bereits seit einiger Zeit ist es ein offenes Geheimnis, dass die Shuttles Nasa-intern als Sicherheitsrisiko gelten. Sogar der Chef US-Weltraumbehörde, Michael Griffin, soll im kleinen Kreis vor den Gefahren gewarnt haben, berichteten US-Medien. Altersschwach und flügellahm ist die Flotte geworden: Mal gibt es Probleme mit dem Hitzeschild, mal vermasseln defekte Tanksensoren den Start. Diesmal sind es die Ventile am Außentank, die beim Start der „Discovery“ einen Strich durch die Rechnung machen - unter den Ingenieuren macht sich betretene Ratlosigkeit breit.

Zwei Wochen steht die „Discovery“ schon an der Startrampe und kommt nicht vom Fleck. Wie ratlos die Experten sind, machte die Nasa in einer knappen Erklärung am Mittwochabend (Ortszeit) deutlich: Ein neuer Starttermin am 12. März wurde lediglich „versuchsweise“ ins Auge gefasst. Die Ursache der Probleme mit den Ventilen am Treibstofftank sind ganz offenbar nach wie vor ungeklärt. Jetzt sollen die kaum acht Millimeter langen Teile, die die Wasserstoffzufuhr und damit den Druck im Außentank regeln, erst mal ausgebaut und eingehend auf Beschädigungen untersucht werden. „Ein genauer Starttermin wird festgelegt, wenn die Untersuchung der Ventile fortgeschritten ist“, heißt es in einer dürren Erklärung.

Auch in der Weltraumtechnik gilt: Der Teufel steckt im Detail. Allein 4000 Computeraufnahmen der winzigen Ventile müssen die Nasa-Techniker auf kleinste Beschädigungen und Risse untersuchen. Denn seit den „Vorkommnissen“ bei dem bisher letzten Flug der Raumfähre „Endeavour“ im vergangenen November sind die Experten alarmiert: Ein Ventil war dabei so stark beschädigt worden, dass mehr Wasserstoff als vorgesehen durch die Leitung zum Außentank strömte. Zwar konnte ein Bordcomputer dies ausgleichen - doch die Kopfschmerzen der Ingenieure konnten dadurch nicht gemildert werden.

Die Treibstofftanks und deren Verbindung zu den Triebwerken scheinen besonders störanfällig zu sein - und deren Probleme besonders schwierig in den Griff zu bekommen. Bereits als die „Atlantis“ Ende 1997 mit dem europäischen Weltraumlabor „Columbus“ und dem deutschen Astronauten Hans Schlegel ins All sollte, musste der Start mehrfach verschoben werden, wegen der Probleme mit den Sensoren am Außentank.

„Mal ist einer defekt, mal zwei, trotz tausendfacher Tests ist es unseren Ingenieuren nicht gelungen, die eigentliche Ursache zu finden“, meinte Shuttleprogramm-Direktor Wayne Hale. Und in aller Öffentlichkeit räumte er seinerzeit ein, dass es auch Weltraumtechnik-Spezialisten nicht anders als Millionen Normalbürgern geht. „Es ist wie mit einem Auto, das einen Elektronikdefekt hat: Wenn Sie in der Werkstatt ankommen, können die Mechaniker keinen Schaden finden."

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