Forschung + Innovation
Die tödlichen Ableger des Tumors

Viele Krebs-Patienten sterben an sogenannten Tochtergeschwüren. In den letzten Monaten haben Krebsforscher an der Chirurgischen Klinik der Universität Freiburg wichtige Etappensiege errungen. Sie beginnen zu verstehen, warum ein einzelnes Geschwulst gefährliche Metastasen bilden kann. Der große Durchbruch steht der Tumorforschung allerdings noch bevor.

DÜSSELDORF. Mit der Diagnose Krebs hätte die 70-Jährige leben können. Chemotherapie und Bestrahlung hätten sie mit hoher Wahrscheinlichkeit von dem Brustkrebs befreit. Aber der Arzt schüttelt den Kopf. Daraus wird nichts. Überall in ihrem Körper sitzen Metastasen, die sich mit gängigen Medikamenten nicht mehr zurückdrängen lassen. Noch einige Monate bleiben ihr bis zum Tod.

Viele Krebspatienten bringt nicht etwa der Tumor in Lebensgefahr, da dieser dank moderner Therapien oft erfolgreich entfernt wird. Vielmehr sind es die Tochtergeschwüre, die die Überlebenschancen rapide senken. „Die meisten Patienten sterben nicht am primären Krebs, sondern an seinen Metastasen“, sagt Thomas Brabletz. Der Krebsforscher an der Chirurgischen Klinik der Universität Freiburg sucht nach den Ursachen für die gefährlichen Krebsableger.

Brust-, Darm-, Prostata- und Lungenkrebs neigen besonders häufig zu Metastasen. Krebszellen aus dem Geschwür lösen sich ab, wandern in andere Körperregionen und siedeln sich dort an. Beim Brustkrebs geschieht dies bei der Hälfte aller Patientinnen. Meist finden sich die Ableger in den Lymphknoten, im Kopf, im Knochenmark, in der Leber oder in der Lunge. Zunächst schlummern sie dort, ohne zu wachsen oder gar aufzufallen. Aber plötzlich, nach zehn, fünfzehn Jahren, wuchern sie zum Tochtergeschwür.

„Warum Metastasen entstehen und wie, ist Gegenstand heftigster Forschung“, sagt Brabletz. In den vergangenen Monaten haben die Wissenschaftler auf der Suche nach Antworten immerhin wichtige Etappensiege errungen. Die alles überragende Erkenntnis: Unter den Krebszellen ist nur ein kleiner Teil in der Lage, eine Tochtergeschwulst zu bilden. „Wir gehen davon aus, dass dies sogenannte Tumorstammzellen sind“, sagt Brabletz. Diese Zellen nehmen aber höchstens zwei Prozent der Tumormasse ein.

Die bösartigen Stammzellen ähneln auf paradoxe Weise gesunden Stammzellen: Beide können ständig neue Zellen eines bestimmten Gewebetyps hervorbringen. Ohne Stammzellen gäbe es keine neue Haut und keine neuen Nervenzellen im Gehirn. Die Fähigkeit zur unerschöpflichen Regeneration ist der wichtigste Grund dafür, dass Stammzellen als Quell künftiger Therapien gehandelt werden.

Seite 1:

Die tödlichen Ableger des Tumors

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%