Die Unverwesten
Mumien in deutschen Grüften

In deutschen Grüften liegen rund tausend Adels- und Kirchenmumien - mumifiziert ganz ohne Balsam, ohne Organentnahme, ohne die künstlichen Methoden der Konservierungstechnik.
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HAMBURG. Der Schlossherr geht voran über den feuchten Rasen. Vor einer Mauer duckt er sich ins Buschwerk, hantiert mit einem schweren Schlüssel und öffnet eine verborgene Pforte. Eine Stiege hinab, gebückt den Gang entlang, noch eine Pforte - dann zieht er eine Taschenlampe hervor und leuchtet hinein in die Finsternis. Dort liegen sie, seine Verwandten.

Es sind acht Särge. Manfred Freiherr von Crailsheim schreitet an den letzten Behausungen seiner Vorfahren entlang. Von links dringt durch schmale Maueröffnungen mattes Tageslicht herein. Dieser Ort, ein verwinkelter Wehrgang, voll Staub und Muff, diente einst der Verteidigung von Schloss Sommersdorf. Durch die Scharten wurde im Dreißigjährigen Krieg geschossen.

Besuch in der Familiengruft

Von 1670 an diente die Kasematte jedoch als Familiengruft der Schlossherren. Von Crailsheim steht jetzt direkt unter der Kirche. Über seinem Kopf befindet sich die Luke, durch die Totengräber bis Mitte des 19. Jahrhunderts die Verstorbenen an Seilen hinabgleiten ließen. Der Freiherr bückt sich und greift nach einem weißlichen Sargdeckel, hebt ihn vorsichtig an. "Darf ich vorstellen: Frau Sophie Luise von Kniestätt."

Das Leben der Dame ging im 17. Jahrhundert zu Ende. Dem Angriff von Verwesungsmikroben, Aasfliegen und Speckkäfern aber hat die Adlige seither standgehalten. Wie sie haben viele Adlige und Würdenträger in Deutschland die vergangenen Jahrhunderte mumifiziert überdauert. Während die in Friedhofserde Bestatteten verfaulten, trockneten diese Sterblichen in gut durchlüfteten Grüften unter Kirchen und Burgen. Ohne Balsam, ohne Organentnahme, ohne die künstlichen Methoden der Konservierungstechnik verwandelten sich ihre Körper in ledrige Mumien.

Luftgetrocknet für die Ewigkeit

Rund tausend solcher luftgetrockneter Exemplare liegen in Deutschlands Grüften - und es werden immer noch weitere Individuen gefunden. Wilfried Rosendahl ist Leiter des German Mummy Project an den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim - und damit einer, der gerufen wird, wenn jemand in seinem Keller eine konservierte Leiche findet. Oder wenn Archäologen in Kirchengrüften auf gut erhaltene Tote stoßen. Einige Mumien waren lange Zeit in Museumsarchiven verschollen und wurden erst in jüngster Vergangenheit wieder entdeckt.

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  • @aruba
    Aruba irrt. bei Mitgliedern des Adels ist nicht die materiell-substanzielle Ausstattung das Entscheidende sondern die metaphysisch-historische Gestalt. ist beides intakt kann durchaus etwas Erfreuliches zu Tage treten. Danke

  • Guten Tag,.... Aus meiner frueheren Taetigkeit ( Private banking ) war ich mit manchem blaubluetigen konfrontiert. ( Soga eine echte Prinzessin ). Da die Kerle entweder als blutspender bei Pelicano oder ganz einfach nur blutleer waren; nehme ich an dass sie sogar fuer Wuermer ungeniessbar sind. besten Dank

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