Digitalisierung
Der lange Weg zur intelligenten Fabrik

Noch Ende der Neunzigerjahre galt die digitale Fabrik als die "dritte Revolution" in der Automobilindustrie. Doch die Digitalisierung ist weitaus langsamer vorangeschritten, als Experten es vermutet hatten. Nun rückt Siemens das Thema mit der UGS-Übernahme wieder in den Fokus.

DÜSSELDORF. Zwar sind virtuelle Werkzeuge aus der Industrie heute nicht mehr wegzudenken. Von revolutionären Visionen ist mittlerweile aber nicht mehr die Rede. "Ohne einzelne Bausteine der digitalen Fabrik könnten die Automobilhersteller heute nicht mehr im Wettbewerb bestehen", sagt Frank Mantwill, Leiter des Lehrstuhls Maschinenelemente und rechnergestützte Produktentwicklung an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg. Aber das Ziel, die Fabrik vollständig am Rechner abzubilden, haben die Hersteller laut Mantwill verworfen. Hauptgrund: Bislang konnte niemand den Beweis für die Rentabilität von Investitionen in komplette digitale Fabriken antreten.

Diverse Studien, unter anderem vom Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung und dem Verband Deutscher Ingenieure (VDI) belegen zwar, dass hoch entwickelte Simulationstechnologien eine höhere Produktivität erzeugen. Ebenso sorgen sie für niedrigere Kosten bei der Planung neuer Fertigungsanlagen. "Aber auch das Versprechen auf 30 Prozent Kosteneinsparung reicht den Herstellern nicht aus", sagt Mantwill.

Denn ob sich der virtuelle Aufbau der Produktion rechnet, hängt stark von der Detailtiefe und-breite ab. Ebenfalls bindet der Aufbau einer digitalen Fabrik-Umgebung in einem Unternehmen viel Engineering- und Prozess-Know-how. Es brauche daher einen starken Akteur, der die neue Technologie fördert und weiterentwickelt, meint der Professor.

Als starker Anbieter will sich Siemens positionieren. Die Industrie-Sparte des Konzerns will das Thema wieder stärker in den Fokus zu rücken. "Unsere Zukunftsvision ist die intelligente Fabrik", sagt Wolfgang Schlögl, Teamleiter Digital Engineering von Siemens. Parallel zum realen Betrieb soll die intelligente Fabrik ein digitales Bild ihrer selbst entwerfen. Das heißt: Reale Maschinen und Prozesse generieren Informationen, über die sich ihre virtuellen Gegenstücke abgleichen lassen. "Für Optimierungen oder Änderungen in der realen Welt wollen wir in der virtuellen Fabrik bestmögliche Lösungen simulieren", so Schlögl. Den Herstellern ermöglicht das eine schnellere Planung der Fertigungsprozesse.

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