„Discovery“-Crew im Einsatz
Knitterfalten im Sonnensegel

Die NASA hat es am Mittwoch nur zum Teil geschafft, per Fernsteuerung von der Erde aus ein altes Sonnensegel der Internationalen Raumstation ISS einzufahren. Jetzt überlegt die US-Raumfahrtbehörde, ob es in einem zusätzlichern Außeneinsatz der „Discovery“-Crew per Hand eingeholt wird.

HB WASHINGTON. Das rund 35 Meter lange Segel konnte aber immerhin zu etwa 45 Prozent zusammengefaltet werden - genug für die Fortsetzung der Arbeiten an einer Neuverkabelung der Station zur besseren Stromversorgung. Damit wurde das Hauptziel der NASA erfüllt. Zumindest ein teilweises Falten wie bei einer Ziehharmonika oder bei einer Jalousie war nötig, um zwei erst im September an die ISS montierten Solarflügeln Platz zum Rotieren und damit zur perfekten Ausrichtung auf die Sonne zu geben.

Zum nunmehr möglichen Anschluss dieser neuen Sonnensegel an das Stromnetz der Station und damit zu ihrer Aktivierung sollen an diesem Donnerstag und am Samstag erneut zwei Astronauten des angedockten Raumfähre „Discovery“ ins All aussteigen. Ob sie als zusätzliche Aufgabe per Hand am weiteren Einfahren des alten Solarflügels arbeiten werden oder ob dies bei einer späteren Shuttle-Mission geschehen soll, ließ die NASA zunächst noch offen.

Es war das erste Mal, dass die US-Weltraumbehörde ein solches Faltmanöver im All versucht hatte: Bisher waren an der ISS Sonnensegel nur ausgefahren, aber nicht umgekehrt eingeholt worden. Vor diesem Hintergrund hatte die NASA auch von vornherein gewarnt, dass es schwierig werden könnte, da das Sonnensegel bereits seit 2000 im Einsatz und damit sechs Jahre dem harschen Wechsel zwischen Hitze und Kälte im All ausgesetzt war. So hatte ein NASA-Vertreter das Manöver mit dem Falten einer verwitterten Landkarte verglichen: „Man bekommt sie nicht so leicht wieder so zusammen, wie sie mal war.“ Tatsächlich legten sich Teile des Sonnensegels nicht geradlinig zusammen, sondern es entstanden Knitterfalten.

Das Stromnetz der ISS soll verbessert werden

So wurde das Segel dann immer wieder stufenweise gefaltet und neu ausgefahren, um das Material und die Seitendrähte zu lockern. Nach rund sieben Stunden Arbeit - zwei Stunden mehr als geplant - ließ es die NASA dann gut sein. „Wir sind glücklich, dass wir es so weit geschafft haben, dass wir planmäßig an der Neuverkabelung weiterarbeiten können“, beschrieb ein Sprecher im Kontrollzentrum in Houston (Texas) in der Nacht zum Donnerstag die Stimmung.

Die Verbesserung des Stromnetzes steht im Mittelpunkt der insgesamt 12-tägigen Mission der „Discovery“. Bisher gab es für die ISS, die seit 1998 die Erde umkreist, nur eine provisorische Elektrizitätsversorgung. Sie reicht aber bei weitem nicht für den geplanten weiteren Ausbau der ISS aus, die unter anderem in einem Jahr um das europäische Labor „Columbus“ erweitert werden soll. Daher wurden im September die neuen Sonnensegel anmontiert. Der am Mittwoch teilweise eingefaltete Flügel ist Teil eines Paares von Sonnensegeln, die von vornherein nur als vorläufige Lösung gedacht waren. Sie sollen im nächsten Herbst an eine andere Stelle der ISS verlegt werden. Zuvor muss die NASA auch den zweiten Flügel einfahren - nach bisherigen Plänen soll das bei einer Shuttle-Mission im Frühjahr geschehen.

Zunächst aber müssen die neuen Segel funktionieren. Bereits in der Nacht zum Donnerstag begann die NASA damit, das Rotiergelenk zu aktivieren. Derweil bereiteten sich der Schwede Christer Fuglesang und der Amerikaner Bob Curbeam auf ihren zweiten Außenbordeinsatz am Donnerstag vor. Sie hatten schon in der Nacht zum Dienstag sechs Stundene lang im Freien an der ISS gearbeitet.

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