„Discovery“-Start erneut verschoben
Die Nasa hadert mit dem Wetter-Gott

Nicht nur die „Discovery“-Besatzung wartet auf den Start der Raumfähre, sondern auch die zahlreichen Schaulustigen. Dabei verstehen viele den neuerlichen Aufschub nicht, sehen sie doch Wolken wie aus dem Bilderbuch und einen tiefblauen Himmel. Für den Fotofreund könnte sich die Startrampe in Cape Canaveral also kaum besser präsentieren.

HB CAPE CANAVERAL. Kein Tourist konnte beim ersten Startversuch des Orbiters mit dem Deutschen Thomas Reiter an Bord ahnen, was Meteorologen bereits wussten: Wegen eines aufziehenden Gewitters in 40 Kilometer Entfernung musste der Countdown wenige Minuten vor dem Zünden der Triebwerke abgesagt werden.

Einer der größten Unsicherheitsfaktoren bei Shuttle-Starts bleibt das Wetter: „Wir können das Wetter nicht kontrollieren“, sagt Nasa-Manager Mike Leinbach. Wenige Minuten vor jedem Start fragt Leinbach alle technischen Abteilungen ab, ob sie „ready to go“ (startklar) sind. Keiner äußerte am Samstag und Sonntag irgendwelche Einwände - außer den Meteorologen. Von diesen kam gleich vier Mal „no go“. Der Wettermix aus Blitzgefahr, elektrischer Aufladung der Atmosphäre, Haufen- und Gewitterwolken verbot nach ihren Richtlinien einen Start.

Die Sicherheitsvorschriften legen beispielsweise fest, dass die Flugroute des Spaceshuttles nicht durch ein Gewitter führen darf. Selbst einzelne kleine Gewitterwolken (Cumulonimbus) können ein vorzeitiges Ende des Countdowns bedeuten. Diese Gewitterwolken, deren Formationen wie ein Amboss aussehen, gefährden nach den Worten von Nasa-Meteorologin Kathy Winters womöglich den Spaceshuttle und die Crew. „Bei gewissen Gewitterwolken, besteht das Risiko, dass wir durch den Start einen Blitzschlag auslösen können“, sagt Winters.

Seit dem denkwürdigen Start von Apollo zwölf während eines Gewitters am 14. November 1969, bei dem die Rakete mit der Mondkapsel gleich zwei Mal innerhalb der ersten Flugminute vom Blitz getroffen wurde, nimmt die Nasa solcher Wetterfronten ernst. Damals fielen kurzzeitig die meisten elektrischen Systeme aus. Die Übertragung von Messdaten von der Apollo-Kapsel zur Kontrollstation in Houston brach zusammen. Als der Kontakt wieder hergestellt wurde, kamen auf der Erde nur verstümmelte Daten an. Die dreiköpfige Crew behob das Problem später.

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