DNA-Entdecker Watson

Nobelpreis zu versteigern

James D. Watson, einer der Entdecker des Erbgutmoleküls DNA, lässt seine Auszeichnung versteigern. Ihm winkt ein Millionengewinn – von dem er aber nicht allein profitieren möchte.
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Für die Entdeckung des Erbgutmoleküls DNA wurde James Watson 1962 der Nobelpreis verliehen. Quelle: ap

Für die Entdeckung des Erbgutmoleküls DNA wurde James Watson 1962 der Nobelpreis verliehen.

(Foto: ap)

New YorkEiner der bekanntesten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts trennt sich von seinem Nobelpreis – und das Auktionshaus erhofft sich 3,5 Millionen Dollar (2,8 Millionen Euro). James D. Watson (86), einer der Entdecker der DNA, will im Dezember seinem Nobelpreis bei Christie's in New York versteigern lassen. Das Geld will er zum Teil für die Forschung stiften.

Laut Christie's hat noch nie ein lebender Nobelpreisträger seine Medaille verkauft. Im vergangenen Jahr wurde aber die des 2004 gestorbenen Mediziners Francis Crick versteigert. Crick hatte den Preis 1962 für die Entdeckung der DNA bekommen – zusammen mit Watson und einem dritten Forscher, Maurice Wilkins.

Die Millionen der Nobelpreisträger
Geldbündel
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Es gibt aus Sicht der Schweden einige gute Gründe, nicht zur Euro-Zone zu gehören. Einer davon ist der Nobelpreis. Kaum auszudenken, wie prosaisch es sich anhören würde, wenn die Königliche Akademie der Wissenschaften bekannt gäbe, das Preisgeld läge bei rund 900.000 Euro. Acht Millionen Kronen, das klingt. Aber was machen Nobelpreisträger eigentlich mit dem Geldsegen?

ERWIN JELINEK
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Natürlich spricht man auch unter Forschern, Literaten und Friedensaktivisten ungern über das eigene Bankkonto. Doch die Summe, die die Schweden den Laureaten überweisen, ist für die meisten Preisträger mindestens ebenso bedeutsam wie der ideelle Wert der Auszeichnung. Die Literaturnobelpreisträgerin von 2004, Elfriede Jelinek, beantwortete die Frage, was die Auszeichnung für sie bedeute, ganz eindeutig: finanzielle Unabhängigkeit.

KETTERLE
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Tatsächlich ist es so, dass viele Nobelpreisträger zwar gute Jobs an Unis haben, aber durchaus keine Großverdiener sind. Und gerade die renommiertesten Forschungsinstitute - etwa das MIT nahe Boston, die Rockefeller Uni in New York oder in Deutschland die Uni München - liegen in Gegenden mit extrem hohen Lebenshaltungskosten.

Wolfgang Ketterle, deutscher Physik-Nobelpreisträger von 2001, kennt das Problem. Er lebt und forscht in Cambridge, Massachusetts, einem der teuersten Pflaster Nordamerikas. "Ich habe das Nobelpreisgeld verwendet, um ein Haus zu kaufen und die Ausbildung der Kinder zu finanzieren", so Ketterle im Gespräch mit Handelsblatt Online. Der Professor hat deren drei, und an guten Unis in Nordamerika kosten allein die Studiengebühren schon mal gerne 30.000 Dollar pro Jahr.

Nobel Prize laureates and keynote speaker Kirshner demonstrate a study during 22nd First Annual Ig Nobel Prize Ceremony in Cambridge
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Richard Roberts (hier als 2. von links bei der Verleihung der Ig-Nobelpreise im Jahr 2012), der dem so genannten Gen-Splicing auf die Spur gekommen war und dafür 1993 den Nobelpreis erhielt, nutzte das Geld, um vor seinem Haus ein Croquet-Feld mit englischem Rasen anzulegen. Dass er auch aufgrund dieser entschieden britischen Upper-Class-Variante der Geldverwendung von Königin Elizabeth 2008 zum Ritter geschlagen wurde, ist aber nur ein Gerücht.

huGO-BildID: 2156384 Sir Paul Nurse, left, Director General of the Imperial Cancer Research Fund and Dr Tim Hunt, head of cell cycle control at the F
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Paul Nurse (l.), Nobelpreisträger für Medizin 2001, steckte einen Teil seiner Kronen in eine Anschaffung, die die Königin eher nicht so amüsiert hätte. Nurse kaufte sich ein großes, schnelles und sehr teures Motorrad. Inzwischen ist er Präsident der Rockefeller University in New York und kann sich mit seinem Lohn dort wahrscheinlich auch das Benzin für sein Bike leisten.

Franco Modigliani im Alter von 85 gestorbenNobelpreisträger
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Franco Modigliani, Ökonomie-Preisträger von 1985, zog es dagegen aufs Wasser. Kein Problem, mit dem Geldsegen aus Stockholm konnte er sich gleich ein ganzes Segelboot kaufen.

ALBERT EINSTEIN MILEVA MARIC
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Als besonders vorausschauend erwies sich Albert Einstein im Umgang mit seinem Nobel-Preisgeld. Er vermachte die gesamte Summe in einem Scheidungsvertrag seiner Ex-Frau Mileva Maric und den beiden gemeinsamen Söhnen. Klingt nach pflichtbewusstem Vater, ansonsten aber eher weniger außergewöhnlich, finden Sie? Falsch. Denn den Vertrag setzte Einstein im Jahr 1919 auf - den Nobelpreis erhielt er aber erst 1921.

Cricks Auszeichnung hatte seinerzeit bei Heritage Auctions 2,23 Millionen Dollar gebracht, das Vierfache des erwarteten Preises. Ein Brief von Crick war nur Tage zuvor sogar für sechs Millionen versteigert worden.

Zur Auktion kommen in New York auch Notizen des Biologen Watson für seine Dankesrede 1962 (erwarteter Preis: 400.000 Dollar) und für eine Vorlesung anlässlich der Preisverleihung einen Tag später (300.000 Dollar).

  • dpa
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