DNA-Entdecker Watson

Nobelpreismedaille für 3,8 Millionen Euro versteigert

Die Nobelpreismedaille des Mitentdeckers der DNA-Doppelhelixstruktur, James Watson, hat den Besitzer für 3,85 Millionen Euro gewechselt. Der 86-jährige Amerikaner will das Geld aber nicht für sich alleine behalten.
Kommentieren
James Watson zählt zu den bekanntesten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Den Nobelpreis erhielt er und zwei andere Forscher im Jahre 1962 für die Entdeckung der DNA. Quelle: AFP

James Watson zählt zu den bekanntesten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Den Nobelpreis erhielt er und zwei andere Forscher im Jahre 1962 für die Entdeckung der DNA.

(Foto: AFP)

Die Nobelpreismedaille des Amerikaners James Watson ist in New York für 3,85 Millionen Euro versteigert worden. Als Mitentdecker der Doppelhelixstruktur der DNA zählt der Molekularbiologe zu den größten Wissenschaftlern des 20. Jahrhunderts.

Der Käufer blieb auf eigenen Wunsch anonym, teilte das Auktionshaus Christie's mit. Neben der Goldmedaille für den Nobelpreis für Medizin bot Watson (86) auch zwei Manuskripte von Reden an, die er bei der Annahme des höchsten Forscherpreises im Dezember 1962 gehalten hatte.

Die Millionen der Nobelpreisträger
Geldbündel
1 von 18

Es gibt aus Sicht der Schweden einige gute Gründe, nicht zur Euro-Zone zu gehören. Einer davon ist der Nobelpreis. Kaum auszudenken, wie prosaisch es sich anhören würde, wenn die Königliche Akademie der Wissenschaften bekannt gäbe, das Preisgeld läge bei rund 900.000 Euro. Acht Millionen Kronen, das klingt. Aber was machen Nobelpreisträger eigentlich mit dem Geldsegen?

ERWIN JELINEK
2 von 18

Natürlich spricht man auch unter Forschern, Literaten und Friedensaktivisten ungern über das eigene Bankkonto. Doch die Summe, die die Schweden den Laureaten überweisen, ist für die meisten Preisträger mindestens ebenso bedeutsam wie der ideelle Wert der Auszeichnung. Die Literaturnobelpreisträgerin von 2004, Elfriede Jelinek, beantwortete die Frage, was die Auszeichnung für sie bedeute, ganz eindeutig: finanzielle Unabhängigkeit.

KETTERLE
3 von 18

Tatsächlich ist es so, dass viele Nobelpreisträger zwar gute Jobs an Unis haben, aber durchaus keine Großverdiener sind. Und gerade die renommiertesten Forschungsinstitute - etwa das MIT nahe Boston, die Rockefeller Uni in New York oder in Deutschland die Uni München - liegen in Gegenden mit extrem hohen Lebenshaltungskosten.

Wolfgang Ketterle, deutscher Physik-Nobelpreisträger von 2001, kennt das Problem. Er lebt und forscht in Cambridge, Massachusetts, einem der teuersten Pflaster Nordamerikas. "Ich habe das Nobelpreisgeld verwendet, um ein Haus zu kaufen und die Ausbildung der Kinder zu finanzieren", so Ketterle im Gespräch mit Handelsblatt Online. Der Professor hat deren drei, und an guten Unis in Nordamerika kosten allein die Studiengebühren schon mal gerne 30.000 Dollar pro Jahr.

Nobel Prize laureates and keynote speaker Kirshner demonstrate a study during 22nd First Annual Ig Nobel Prize Ceremony in Cambridge
4 von 18

Richard Roberts (hier als 2. von links bei der Verleihung der Ig-Nobelpreise im Jahr 2012), der dem so genannten Gen-Splicing auf die Spur gekommen war und dafür 1993 den Nobelpreis erhielt, nutzte das Geld, um vor seinem Haus ein Croquet-Feld mit englischem Rasen anzulegen. Dass er auch aufgrund dieser entschieden britischen Upper-Class-Variante der Geldverwendung von Königin Elizabeth 2008 zum Ritter geschlagen wurde, ist aber nur ein Gerücht.

huGO-BildID: 2156384 Sir Paul Nurse, left, Director General of the Imperial Cancer Research Fund and Dr Tim Hunt, head of cell cycle control at the F
5 von 18

Paul Nurse (l.), Nobelpreisträger für Medizin 2001, steckte einen Teil seiner Kronen in eine Anschaffung, die die Königin eher nicht so amüsiert hätte. Nurse kaufte sich ein großes, schnelles und sehr teures Motorrad. Inzwischen ist er Präsident der Rockefeller University in New York und kann sich mit seinem Lohn dort wahrscheinlich auch das Benzin für sein Bike leisten.

Franco Modigliani im Alter von 85 gestorbenNobelpreisträger
6 von 18

Franco Modigliani, Ökonomie-Preisträger von 1985, zog es dagegen aufs Wasser. Kein Problem, mit dem Geldsegen aus Stockholm konnte er sich gleich ein ganzes Segelboot kaufen.

ALBERT EINSTEIN MILEVA MARIC
7 von 18

Als besonders vorausschauend erwies sich Albert Einstein im Umgang mit seinem Nobel-Preisgeld. Er vermachte die gesamte Summe in einem Scheidungsvertrag seiner Ex-Frau Mileva Maric und den beiden gemeinsamen Söhnen. Klingt nach pflichtbewusstem Vater, ansonsten aber eher weniger außergewöhnlich, finden Sie? Falsch. Denn den Vertrag setzte Einstein im Jahr 1919 auf - den Nobelpreis erhielt er aber erst 1921.

Der Gesamterlös der Versteigerung am späten Donnerstag lag bei 4,35 Millionen Euro, hieß es bei Christie's. Das Geld will Watson zum Teil für die Forschung stiften.

  • dpa
Startseite

0 Kommentare zu "DNA-Entdecker Watson: Nobelpreismedaille für 3,8 Millionen Euro versteigert"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%