Forschung + Innovation
Dolly-Schöpfer Wilmut verteidigt Klon-Experimente

Der britische Forscher und Schöpfer des Klonschafes Dolly, Ian Wilmut (60), hat geplante Experimente mit menschlichen Embryonen verteidigt.

dpa HAMBURG. Der britische Forscher und Schöpfer des Klonschafes Dolly, Ian Wilmut (60), hat geplante Experimente mit menschlichen Embryonen verteidigt.

„Für mich sind Bewusstseins- und Erkenntnisfähigkeit zentrale Elemente des Menschseins, die sich erst nach vielen Schwangerschaftswochen ausbilden können“, sagte Wilmut der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“.

„Die Embryonen, die wir nutzen, sind noch winzig, kleiner als ein Sandkorn, und haben sicher noch kein Bewusstsein.“ Sein Verfahren ermögliche es, Erbkrankheiten auf eine Weise zu studieren, die sonst nie möglich wäre.

Der Brite wird am 14. März in der Frankfurter Paulskirche mit dem Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis ausgezeichnet. Finanziert wird der Preis je zur Hälfte durch Unternehmen und dem Bundesgesundheitsministerium. Klon-Gegner kündigten Proteste gegen die mit 100 000 Euro dotierte Auszeichnung an. In Deutschland ist das Herstellen menschlicher Klonembryonen verboten.

Wilmut will so genannte Motoneuronen studieren. Das sind Nervenzellen, die Muskeln steuern, und deren Ausfall zu Lähmungen führt. An solchen Lähmungen leiden etwa der Physiker Stephen Hawking und der Maler Jörg Immendorff. Dabei hält der Forscher Versuche mit frühen Embryonen für ethisch unbedenklich.

Wegen möglicher Fehlbildungen sei er jedoch entschieden gegen das reproduktive Klonen, das Herstellen von Babys aus einzelnen Zellen, sagte Wilmut. Dagegen könne er sich einen Einsatz der Technik in der Tierzucht vorstellen. „Werden die Schäden und Risiken des Verfahrens minimiert, dann spricht prinzipiell nichts gegen eine Verbreitung des Klonens in der Landwirtschaft. In der Pflanzenzucht ist es schließlich längst Praxis.“

Bei der Therapie menschlicher Erkrankungen werde hingegen auch das therapeutische Klonen auf Dauer überflüssig werden, sagte der Forscher. „Irgendwann werden wir lernen, Zellen gezielt zu verändern. Dann wird man etwa Parkinsonpatienten Blutzellen entnehmen und diese verjüngen auf einen regenerationsfähigen Status, der nicht unbedingt bis zum Embryo zurückreichen muss.“

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