Doppelgrab von Oberkassel
Bonner Eiszeitmenschen erhalten Gesichter

Vor 100 Jahren entdeckten Arbeiter in einem Steinbruch bei Bonn menschliche Knochen aus der letzten Eiszeit. Die Toten aus dem Doppelgrab von Oberkassel sollen nun Gesichter erhalten.
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BonnDie Arbeiter in dem Steinbruch bei Bonn wollten gerade Schutt wegschaffen, als sie unvermittelt der Steinzeit begegneten. Bei ihren Arbeiten am 12. Februar 1914 im heutigen Bonner Stadtteil Oberkassel entdeckten die aufmerksamen Männer Reste zweier menschlicher Skelette.

Der Fund ging später als wissenschaftliche Sensation in die Geschichte ein: Die Steinbrucharbeiter hatten die ältesten Belege des modernen Menschen in Deutschland gefunden. Hundert Jahre nach der Entdeckung des „Doppelgrabs von Oberkassel“ wollen Wissenschaftler nun neue Forschungsergebnisse zu dem spektakulären Fund präsentieren.

Es waren die Knochen einer Frau und eines Mannes, die vor einem Jahrhundert im Steinbruch „Am Stingenberg“ unweit des Siebengebirges zutage traten. Außerdem fanden die Arbeiter die Skelettreste eines Hundes und drei Grabbeigaben: eine kleine Figur, die offenbar einen Elch darstellt, einen 20 Zentimeter langen Knochenstab mit einem Tierköpfchen und den Penisknochen eines Braunbären. Das Alter der menschlichen Knochen wird derzeit auf 14.700 Jahre geschätzt – sie sind damit der älteste Fund des Homo sapiens hierzulande.

Seit etwa fünf Jahren werden die Überreste aus der Späteiszeit von einem Wissenschaftlerteam mit modernsten Methoden erforscht. „Das Alter der Frau wird auf Anfang 20 geschätzt, der Mann dürfte zwischen 40 und 45 Jahren alt gewesen sein“, sagt die stellvertretende Leiterin des Forschungsprojekts Oberkassel, Liane Giemsch.

Im Zuge ihrer aktuellen Untersuchungen haben die Forscher unter anderem Neues über die Ernährungsgewohnheiten der beiden Urmenschen herausgefunden: Neben Fleisch haben sie demnach offenbar auch Fisch gegessen.

Durch genetische Untersuchungen fanden die Wissenschaftler zudem erste Antworten auf die Frage, ob die beiden Toten Verwandte waren. „Wir wissen, dass beide nicht so eng miteinander verwandt waren, wie Geschwister es sind“, berichtet Giemsch. „Aber wir können derzeit nicht ausschließen, dass es sich um Vater und Tochter gehandelt haben könnte.“

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