Doppelgrab von Oberkassel Bonner Eiszeitmenschen erhalten Gesichter

Vor 100 Jahren entdeckten Arbeiter in einem Steinbruch bei Bonn menschliche Knochen aus der letzten Eiszeit. Die Toten aus dem Doppelgrab von Oberkassel sollen nun Gesichter erhalten.
Kommentieren
Schädel aus dem Doppelgrab von Oberkassel. Links der Schädel einer Frau von etwa 20 Jahren, rechts der Schädel eines 40- bis 45-jährigen Mannes. Quelle: LVR-LandesMusem Bonn

Schädel aus dem Doppelgrab von Oberkassel. Links der Schädel einer Frau von etwa 20 Jahren, rechts der Schädel eines 40- bis 45-jährigen Mannes.

(Foto: LVR-LandesMusem Bonn)

BonnDie Arbeiter in dem Steinbruch bei Bonn wollten gerade Schutt wegschaffen, als sie unvermittelt der Steinzeit begegneten. Bei ihren Arbeiten am 12. Februar 1914 im heutigen Bonner Stadtteil Oberkassel entdeckten die aufmerksamen Männer Reste zweier menschlicher Skelette.

Der Fund ging später als wissenschaftliche Sensation in die Geschichte ein: Die Steinbrucharbeiter hatten die ältesten Belege des modernen Menschen in Deutschland gefunden. Hundert Jahre nach der Entdeckung des „Doppelgrabs von Oberkassel“ wollen Wissenschaftler nun neue Forschungsergebnisse zu dem spektakulären Fund präsentieren.

Fortschrittliche Waffen schon vor 70.000 Jahren
Steinzeitwaffen
1 von 6

Der anatomisch moderne Mensch hat sich vermutlich vor rund 100.000 Jahren in Afrika entwickelt. Unklar war allerdings, ab wann unsere Vorfahren über die Fähigkeit zum Bau von komplexen Werkzeugen verfügten. Funde in den Pinnacle Point Höhlen (Bild) an der südafrikanischen Küste könnten nun Licht in dieses Dunkel bringen.

Steinzeitwaffen
2 von 6

Bei Ausgrabungen entdeckten Forscher der Arizona State University winzige Steinklingen, die vermutlich als Teile von Waffen verwendet wurden. Ihr Alter bestimmten die Wissenschaftler auf 71.000 Jahre. Damit wären diese sogenannten Mikrolithen mindestens 6000 Jahre älter als die bislang ältesten vergleichbaren Funde.

Steinzeitwaffen
3 von 6

Viele der gefundenen Steinspitzen waren  an einer Seite abgestumpft – ein Hinweis darauf, dass sie, wie in dieser Rekonstruktion, an Holz- oder Knochenstäben befestigt wurden, um als Spitzen für Pfeile und Wurfspeere zu dienen.

Steinzeitwaffen
4 von 6

Zudem wurde das Rohmaterial offenbar vorher erhitzt, um es besser zu den kleinen Spitzen verarbeiten zu können.

Steinzeitwaffen
5 von 6

Damit verfügten die Bewohner der Pinnacle-Point-Höhlen schon vor 71.000 über vergleichsweise fortschrittliche Fernwaffen, mit denen sie auf der Jagd oder im Kampf das eigene Verletzungsrisiko minimieren konnten.

Steinzeitwaffen
6 von 6

Nach Ansicht der Forscher könnten solche Pfeile und Speere ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass sich der moderne Mensch letztlich gegen den technisch weniger beschlagenen Neandertaler durchgesetzt hat.

Es waren die Knochen einer Frau und eines Mannes, die vor einem Jahrhundert im Steinbruch „Am Stingenberg“ unweit des Siebengebirges zutage traten. Außerdem fanden die Arbeiter die Skelettreste eines Hundes und drei Grabbeigaben: eine kleine Figur, die offenbar einen Elch darstellt, einen 20 Zentimeter langen Knochenstab mit einem Tierköpfchen und den Penisknochen eines Braunbären. Das Alter der menschlichen Knochen wird derzeit auf 14.700 Jahre geschätzt – sie sind damit der älteste Fund des Homo sapiens hierzulande.

Seit etwa fünf Jahren werden die Überreste aus der Späteiszeit von einem Wissenschaftlerteam mit modernsten Methoden erforscht. „Das Alter der Frau wird auf Anfang 20 geschätzt, der Mann dürfte zwischen 40 und 45 Jahren alt gewesen sein“, sagt die stellvertretende Leiterin des Forschungsprojekts Oberkassel, Liane Giemsch.

Im Zuge ihrer aktuellen Untersuchungen haben die Forscher unter anderem Neues über die Ernährungsgewohnheiten der beiden Urmenschen herausgefunden: Neben Fleisch haben sie demnach offenbar auch Fisch gegessen.

Durch genetische Untersuchungen fanden die Wissenschaftler zudem erste Antworten auf die Frage, ob die beiden Toten Verwandte waren. „Wir wissen, dass beide nicht so eng miteinander verwandt waren, wie Geschwister es sind“, berichtet Giemsch. „Aber wir können derzeit nicht ausschließen, dass es sich um Vater und Tochter gehandelt haben könnte.“

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Mit den Mitteln moderner Gerichtsmedizin
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Doppelgrab von Oberkassel - Bonner Eiszeitmenschen erhalten Gesichter

0 Kommentare zu "Doppelgrab von Oberkassel: Bonner Eiszeitmenschen erhalten Gesichter"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%