Doppelsternsystem VFTS 352
Todeskuss im All

Im fernen Tarantelnebel sind Astronomen einem seltenen Beispiel stellarer Zärtlichkeit auf die Spur gekommen. Der Kuss, der zwei Riesensonnen dort vereint, dürfte eine kosmische Katastrophe einleiten.

BerlinDen letzten „Kuss“ zweier Sterne haben Astronomen mit dem Very Large Telescope (VLT) der europäischen Südsternwarte ESO beobachtet. Das Sternenpaar mit dem astronomischen Namen VFTS 352 befindet sich im Tarantelnebel, einem rund 160.000 Lichtjahre entfernten Sternentstehungsgebiet.

Die beiden Sonnen stehen einander so nah, dass sich ihre Oberflächen berühren – ein letzter Kuss vor dem vermutlich katastrophalen Ende der beiden Sterne, bei dem sie sich entweder zu einem einzigen riesigen Stern verbinden oder ein Schwarzes Loch bilden.

Beide Sterne sind an der Oberfläche rund 40.000 Grad Celsius heiß und haben zusammen etwa 57 Mal so viel Masse wie unsere Sonne. Damit bilden sie das heißeste und massereichste Doppelsternsystem, das bislang bekannt ist.

Der Materieaustausch in engen Doppelsternsystemen ist an sich kein ungewöhnliches Phänomen. Meist kommt es dazu, wenn ein kleiner, kompakter Begleitstern Material von der Oberfläche eines größeren Nachbarn absaugt. Im Fall von VFTS 352 sind beide Sterne jedoch von nahezu identischer Größe. Deshalb wird Materie nicht von einem zum anderen übertragen, sondern gehört zum Teil zu beiden Sternen. Schätzungen zufolge teilen sich die beiden Sterne etwa 30 Prozent ihrer Materie.

Solche Systeme sind sehr selten, da diese Phase im Leben eines Sterns nur kurz andauert, weshalb es schwierig ist, sie auf frischer Tat zu ertappen. Da die Sterne so nah beieinander liegen, nehmen Astronomen an, dass starke Gezeitenkräfte die Materie im Inneren der Sterne durchmischen.

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Tod als Riesensonne

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