Drahtloster Sprachverkehr
Mobilfunkantennen sollen in die Stratosphäre verbannt werden

Gemeinsam mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich will der Luftfahrtingenieur Kamal Alavi die heutigen Mobilfunkantennen überflüssig machen. Derzeit wird in der Schweiz eine fliegende Plattform für drahtlosen Sprachverkehr getestet.

lex ZÜRICH. Sein Projekt sieht vor, moderne Antennen-Technologie in ein unbemanntes Kleinflugzeug zu packen, das an einem mit Helium gefüllten, rund 70 Meter langen Zeppelin-ähnlichen Ballon hängt. Am vergangenen Freitag stieg vom Zugersee in der Schweiz aus erstmals ein Testballon auf die Höhe von 21 Kilometer.

Der Ballon soll in der Stratosphäre positioniert und durch einen Propellerantrieb des Kleinflugzeugs stabilisiert werden. Eine einzige Plattform aus der Stratosphäre soll dabei eine Landfläche von über 1 000 Kilometer Durchmesser abdecken. Kamal Alavi gab sich nach dem Test zufrieden über den Testlauf der „X-Station“. Die fliegende Plattform soll neben der Handykommunikation auch Internet-, TV- und Radioübertragungen ermöglichen. „Der Test stellt die Funktionsfähigkeit unserer Near-Space-Technologie unter Beweis“, so Kamal Alavi. Gleichzeitig sei der Versuch Startschuss für die Prototyp-Phase des Projekts.

Basis der Entwicklung ist die neue Mobilfunk-Technologie Wimax. Sie ermöglicht es, auf eine Distanz von 30 Kilometer zu senden. Ob sich die Mobilfunkanbieter für Wimax entscheiden, ist aber nach Auskunft von Gregor Dürrenberger von der Schweizer Forschungsstiftung Mobilkommunikation völlig offen. Es sei auch noch keineswegs sicher, dass sich durch eine „stratosphärische Antenne“ die Strahlenbelastung durch Mobilfunktelefonie reduzieren ließe: „Die Strahlenbelastung von der Ballon-Plattform mag geringer ausfallen – im Gegenzug braucht man aber Mobiltelefone mit stärkerer Leistung.“ Was zwangsläufig zur Frage führe, ob die gesetzlichen Grenzwerte für Handy-Strahlung eingehalten werden können.

Rüdiger Vahldieck vom Institut für Feldtheorie und Höchstfrequenztechnik an der ETH stellt außerdem Alavis Optimismus bezüglich der Kapazitäten der fliegenden Antenne in Frage. Dass eine einzige Station Handyantennen in der Schweiz überflüssig mache, könne für den Moment zutreffen. Aber künftig werde die Kapazität einer einzelnen Plattform nicht reichen, um die immer noch exponentiell steigenden Datensatzraten zu verarbeiten. Dafür seien weiterhin auch terrestrische Systeme nötig, so Vahldieck.

Luftfahrtingenieur Alavi gibt sich nichtsdestoweniger zuversichtlich: „Bis zum geplanten ersten Launch der X-Station sind noch sieben weitere Tests geplant. Ich rechne damit, dass das System 2009 marktreif und für einen Dauerbetrieb bereit sein wird.“ Für die Entwicklung der fliegenden Handy-Antenne hat Kamal Alavi unter anderem Forschungsinstitutionen der ETH, die Materialforschungsanstalt Empa und das Schweizer Luft- und Raumfahrtunternehmen Ruag Aerospace gewinnen können.

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