Drei Fragen an: Hans-Jörg Rheinberger
„Forschung sah damals ganz anders aus“

Zwischen der heutigen Forschung und der Wissenschaft zu Darwins Zeiten liegen Welten. Das glaubt zuminderst Hans-Jörg Rheinberger, Direktor am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte. Drei Fragen an den Experten.

Wie unterscheiden sich die Bedingungen heutiger Evolutionsbiologen von denen Darwins zu Beginn des 19. Jahrhunderts?

Forschung sah damals ganz anders aus. Es gab nun mal keine gentechnischen Labors wie heute - die Arbeitsbedingungen waren ganz andere. Als Charles Darwin 1831 seine fünfjährige Weltreise mit der "Beagle" antrat, nahm er nur ein paar Bücher und Kisten mit, um Material zu sammeln. Außerdem hatte er ein riesiges Korrespondenten-Netzwerk, das er nutzte, um Informationen zu sammeln und auszutauschen.

Was für ein Forschertypus war Darwin?

Darwin war in erster Linie ein Naturbeobachter. Seine Forschung lebte von intensiver Beobachtung, das war seine Gabe. Dabei hatte er ein ausgeprägtes Gespür für winzige Details, die er mit entscheidenden Fragestellungen in Verbindung bringen konnte.

Wie würde Darwin heutige Forschungsprojekte beurteilen?

In manchen Fällen wäre es für ihn gar nicht begreifbar, was da untersucht wird. Das von Ihnen vorgestellte Projekt zur Koevolution zwischen Wirt und Parasit (Handelsblatt vom 12. März 2009) fände Darwin sicher sehr spannend. Für solche Themen und Zusammenhänge hatte er ein mitreißendes Interesse. Wobei hier die theoretische Biologie und Populationsgenetik für ihn vermutlich nicht so interessant gewesen wären.

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