Dreidimensionale Bilder von schlagenden Herzen und ungeborenen Babys
3D-Ultraschall erleichtert Diagnose

Es war einer der aufregendsten Momente ihrer Schwangerschaft: Regine Rauin, im neunten Monat schwanger, ließ auf der Fachmesse „Medica“ ein dreidimensionales Ultraschallbild von ihrem Baby erstellen. Dabei konnte sie alle Details genau erkennen, in beinahe fotorealistischer Qualität. „Es war fast ein bisschen unheimlich“, sagt sie.

DÜSSELDORF. Doch die Technik geht noch weiter: Seit kurzem gibt es auch den so genannten 4D-Ultraschall. Dabei entsteht aus vielen, schnell hintereinander aufgenommenen 3D-Bildern eine kleine Filmsequenz. „Das wird gerne als Babyfernsehen abgetan“, sagt Klaus Holle, Geschäftsführer von Sonoace, einem der führenden Hersteller von 3D/4D-Ultraschallgeräten. „Doch das stimmt nicht“, fügt er hinzu. Mit dieser Technik könnten Ärzte das ungeborene Kind plastischer sehen und hätten somit eine höhere Diagnosesicherheit. „Seit etwa zwei Jahren findet diese Technik zunehmend Akzeptanz.“

Kritiker halten jedoch dagegen, dass herkömmliche 2D-Bilder eine bessere Grundlage für die Diagnostik lieferten als dreidimensionale Bilder. 3D in der Geburtshilfe sei mehr „ein Gag für die Mutti“, meint etwa Hans-Jürgen Schultz von der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin.

Die 3D-Bildgebung gilt als einer der am schnellsten wachsenden Zweige der Ultraschalltechnik. In die Geburtshilfe hat die 3D-Technik bereits vor einigen Jahren Einzug gehalten. Dabei werden mit Hilfe eines Computerprogramms viele einzelne 2D-Ultraschallbilder, die jeweils einen bestimmten Querschnitt abbilden, zu einem dreidimensionalen Bild zusammen gefügt. Da dies eine umfangreiche Rechenleistung des Computers voraussetzt, sind die Bilder nicht live, sondern nur zeitverzögert zu sehen.

Nach Auffassung des Ultraschallexperten Schultz gibt es viele Medizinbereiche, bei denen eine 3D-Bildgebung durchaus Sinn macht. Beispielsweise die Echokardiographie. Die komplexe Struktur des Herzens, das zudem unter Rippen verborgen liegt, konnte bislang mit herkömmlichen Ultraschallgeräten nur schwer dargestellt werden. Doch das soll sich nun ändern.

Als Vorreiter brachte der Elektronikkonzern Philips kürzlich ein neuartiges Gerät für die Echokardiographie auf den Markt. Bislang war die Ultraschalldiagnostik in diesem Feld vor allem Kopfarbeit: Die herkömmlichen Geräte lieferten zweidimensionale Schnittbilder, beispielsweise quer durch die Herzkammern. Der Arzt musste die Bilder im Kopf zusammensetzen, um zu beurteilen, wie die Kammern räumlich aussehen, ob sie kleiner sind als üblich oder sich vielleicht auf eine falsche Weise zusammenziehen.

Die neue Ultraschalltechnik bildet das Herz nicht nur dreidimensional ab, sondern auch in Echtzeit. Ermöglicht wird dies durch eine spezielle Schallsonde. Die 4D-Technologie sorgt zudem dafür, dass der Arzt das schlagende Herz mitsamt seinen Herzklappen – quasi als Film – genau beobachten kann, und zwar aus jeder beliebigen Perspektive. In Kombination mit der Pränataldiagnostik kann auf diese Weise sogar die Herzfunktion eines ungeborenen Babys beurteilt werden.

Die 3D/4D-Geräte sind auf dem besten Weg, den Kinderschuhen zu entwachsen. „Es gibt noch viele weitere Anwendungen zu erschließen“, sagt Rudolf Beyenburg, Kommunikationschef des Medizintechnikunternehmens General Electric Medical Systems, das vor zwei Jahren den 3D/4D-Gerätehersteller Kretztechnik übernommen hat. Vorstellbar seien in Zukunft Kombinationsgeräte etwa aus Ultraschall und Kernspintomographie. „Diese Entwicklung wird zwar nicht in Windeseile zunehmen, dagegen spricht schon der höhere Preis der Geräte“, sagt Beyenburg. „Aber der Trend geht eindeutig in Richtung 3D/4D.“

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