Forschung + Innovation
Dritter Tollwutpatient nach Verpflanzung verseuchter Organe tot

Auch der dritte durch Spenderorgane erkrankte Tollwutpatient ist tot. Trotz einer neuartigen Therapie starb der 45- Jährige in der Nacht zum Donnerstag an Herz-Kreislauf-Versagen, wie das Universitätsklinikum Marburg mitteilte. Knapp acht Wochen lang war er auf der Intensivstation behandelt worden.

dpa MARBURG. Auch der dritte durch Spenderorgane erkrankte Tollwutpatient ist tot. Trotz einer neuartigen Therapie starb der 45- Jährige in der Nacht zum Donnerstag an Herz-Kreislauf-Versagen, wie das Universitätsklinikum Marburg mitteilte. Knapp acht Wochen lang war er auf der Intensivstation behandelt worden.

Der Mann hatte in der Neujahrsnacht Niere und Bauchspeicheldrüse einer Spenderin erhalten, die sich vermutlich in Indien mit dem tödlichen Virus angesteckt hatte. Die Erkenntnisse aus dem tragischen Todesfall könnten zur Entwicklung einer erfolgreichen Therapie gegen Tollwut beitragen, sagte der Marburger Mediziner Professor Joachim Hoyer.

Weitere Organempfänger in Hannover und Hannoversch Münden waren bereits im Februar gestorben. Erstmals in Deutschland waren damit Menschen durch Tollwut-verseuchte Spenderorgane ums Leben gekommen. Insgesamt hatten sechs Patienten Organe der infizierten jungen Frau erhalten, drei von ihnen erkrankten. Alle drei waren erfolglos mit einer neuartigen Methode aus den USA therapiert worden. Mit der Kombination aus antiviralen Medikamenten und einem künstlich hervorgerufenen Koma hatten US-Ärzte im vergangenen Jahr zum weltweit ersten Mal eine 15-jährige Patientin mit Tollwutsymptomen gerettet.

Den Heidelberger Empfänger der Tollwut-infizierten Leber schützte eine lange zurückliegende Impfung. Die in Mainz verpflanzten Augenhornhäute der Spenderin waren nicht infiziert, wie sich nach dem erneuten Austausch der Organe bei beiden Empfängern herausgestellt hatte.

Dass der Marburger Organempfänger deutlich länger überlebte als die beiden anderen erkrankten Organempfänger, erklärte Hoyer mit dem Krankheitsverlauf: „Er ist vielleicht zwei, drei Tage später krank geworden als die anderen Patienten. Bis dahin hatten wir schon so viele Erkenntnisse zusammengetragen, dass es uns gelungen ist, das Virus so lange zu kontrollieren.“ Die Mediziner haben ein Therapiekonzept entwickelt, mit dem sich laut Hoyer eventuell in zehn Jahren Tollwut bekämpfen lassen könnte. Außer den Virusmedikamenten habe der Patient auch Mittel erhalten, die die Nervenzellen schützen. Die Leiche des 45-Jährigen soll obduziert werden.

Tollwut gilt als tödlich, wenn die Krankheit ausgebrochen ist. Gewöhnlich sterben Patienten etwa sieben Tage nach Ausbruch der Krankheit, wie Hoyer berichtete: „Es ist die tödlichste Infektionskrankheit der Welt.“ Vor dem Auftreten von Symptomen kann eine Impfung auch nach der Infektion noch schützen.

Vor dem Tod der 26 Jahre alten Organspenderin im Dezember in der Mainzer Uniklinik hatte die Frau über Symptome wie heftige Kopfschmerzen und Angstzustände geklagt, die unter anderem auch bei Tollwut vorkommen können. Die Infektion war bei ihr jedoch nicht entdeckt worden. Nach Auffassung der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) waren in dem Fall keine medizinischen Fehler begangen worden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%