Dubais Ibn Battuta Mall
Schaufenster einer anderen Aufklärung

Die ganze Welt ein Warenhaus, ein Tempel des Konsums, ein Mekka der Moderne: Über eintausend Jahre des Wissens gepaart mit 275 Geschäften, 50 Restaurants und 21 Filmleinwänden. Willkommen in der Ibn Battuta Mall in Dubai, dem größten Kaufhaus seiner Art, gleichzeitig Freizeitpark, Museum und Zukunftslabor für die globalisierte Gesellschaft.
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DUBAI. Draußen verfinstert sich der Himmel, ein Sandsturm zieht herauf, der Staub knirscht zwischen den Zähnen, die Luft ist schwül, doch drinnen herrscht ewiger Frühling, vollklimatisiert. Mildes Licht umfängt die Besucher, Pop aus China dudelt seicht: Shopping in Dubai means shopping in Paradise, 70 Percent off, Sale, Great Bargains, Café de Paris, Happy Valentine, Prayer Room.

In Andalusien ist der Haupteingang, der Andalucia Court, überspannt von einer Holzdecke, die fast an die Alhambra erinnert. Das höchste Fest des Jahres ist das Shopping Festival im Januar. Die Ware als Fetisch, jenseits aller Religionen und Kontinente und Kulturen, ein kleinster gemeinsamer Nenner. Die Weltwirtschaft ist eingetrübt, die Immobilienpreise in Dubai sind zwischenzeitlich kollabiert. Doch die Show in der Mall muss weitergehen.

Die Ibn-Battuta Mal ist ein West-Östlicher Diwan, wie ihn einst Goethe besang, nur eben nicht aus Poesie gemacht, sondern aus Produkten. Weiter über den Hof von Tunesien, eine Fressmeile, in der sich die Gerüche aus allen Küchen der Welt mischen: Starbucks, Costa Coffee, Noon o Kabap, McDonalds, Baskin Robbins, Lemon Grass Express, Kentucky Fried Chicken, London Fish ’n’ Chips.

Die Reisen des Ibn Battuta

Dann kommt Ägypten. Doch was in der Halle verkauft wird, ist keine herkömmliche Ware, sondern ein immaterielles Produkt: „The Travels of Ibn Battuta“. Eine Ausstellung über Abu Abdullah Muhammad ibn Battuta, den Korangelehrten, der im 14. Jahrhundert von Marokko aus quer durch die islamische Welt reiste: Andalusien, Alexandria, Delhi, Malediven, Hangshou, Konstantinopel, Timbuktu, Sansibar.

Über 40 Länder hätte er gemäß heutigen Landkarten betreten, über 100 000 Kilometer zurückgelegt, weite Teile davon zu Fuß, auf kleinen Segelschiffen oder auf Kamelrücken. Sein lebenspraller Reisebericht, verfasst im Jahr 1350, erzählt von einer Wissensgesellschaft, von Globalisierung und von Handelsströmen lange vor Marco Polo oder Kolumbus. Als 21-Jähriger war er zum Hadsch nach Mekka aufgebrochen, mit fast 50 Jahren kam er wieder nach Hause – und musste von seinem Herrscher am Weiterreisen gehindert werden, um seine Erlebnisse einem Hofschreiber zu diktieren.

Viermal war er insgesamt in Mekka. „Rihla“ hieß sein Bericht trocken: Reise. Battutas Reise geriet in Vergessenheit, aber Auszüge wurden zitiert, paraphrasiert und plagiiert in hunderten von Berichten, lange bevor die Grand Tour auch in Europa Mode wurde. Deutsche und Schweizer Gelehrte trugen im 19. Jahrhundert diverse Fragmente zusammen, die besterhaltene Version seines Buches lagert in der Bibliothèque Nationale in Paris. Diesem Ibn Battuta also ist die Mall gewidmet, eröffnet 2004 zu seinem 700. Geburtstag.

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