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Durch den Klimawandel verlieren Böden Kohlenstoff

Aus den Böden entweicht weit mehr Kohlenstoff als bislang angenommen. Vermutlich werde die Freisetzung durch den Klimawandel verursacht, berichten britische Wissenschaftler im Fachblatt „Nature“ (Bd. 437, S. 245) vom Donnerstag.

dpa LONDON. Aus den Böden entweicht weit mehr Kohlenstoff als bislang angenommen. Vermutlich werde die Freisetzung durch den Klimawandel verursacht, berichten britische Wissenschaftler im Fachblatt „Nature“ (Bd. 437, S. 245) vom Donnerstag.

Steigt der Kohlenstoff in Form des Treibhausgases Kohlendioxid aus den Böden auf, dann könnte das möglicherweise die Erderwärmung verstärken. Die Forscher haben allerdings nicht gemessen, wohin der Kohlenstoff verschwunden ist. Ein Teil könnte in tiefere Bodenschichten gewandert oder mit dem Regen ausgewaschen worden sein, ein anderer Teil sei wahrscheinlich in Form von Kohlendioxid entwichen. Durchschnittlich verloren alle Böden pro Jahr etwa 0,6 Prozent ihres ursprünglich gebundenen Kohlenstoffs.

Weltweit hält der Boden etwa 300 Mal mehr Kohlenstoff zurück, als jährlich durch die Verbrennung fossiler Energieträger frei wird. In ihm ist etwa doppelt so viel gespeichert wie in Pflanzen oder der Atmosphäre. Viele Experten nahmen bislang an, dass der Großteil des Kohlenstoffs in den Böden dauerhaft gebunden bleibt. Die Möglichkeit, dass infolge des Klimawandels Kohlenstoff freigesetzt wird, ist unter Wissenschaftler umstritten. Pat Bellamy von der Cranfield University in Silsoe (Großbritannien) und seine Mitarbeiter untersuchten nun in mehreren Tausend Proben, wie sich der Gehalt an Kohlenstoff in der oberen Bodenschicht in England und Wales zwischen 1978 und 2003 verändert hat.

Da sie weder einen eindeutige Zusammenhang zur Art des Bodens noch zur Bodennutzung fanden, vermuten die Wissenschaftler, dass der Klimawandel für die Freisetzung verantwortlich ist. Über den Untersuchungszeitraum seien die Temperaturen in England und Wales um 0,5 Grad gestiegen und auch die Niederschläge hätten sich verändert. Das könnte beispielsweise die Aktivität von Bodenorganismen beeinflusst haben, die organische Substanzen unter anderem zu Kohlendioxid abbauen.

Die Untersuchung lasse den Erfolg der britischen Klimabemühungen in einem anderen Licht erscheinen, schreiben dazu Detlef Schulze und Annette Freibauer vom Max-Planck Institut für Biogeochemie in Jena in einem begleitenden Kommentar („Nature“, S. 205). Die jährliche Freisetzung aus den Böden entspräche in etwa der Menge, die Großbritannien in den Jahren zwischen 1990 und 2002 durch die Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen eingespart habe. Bei den Regelungen zur Freisetzung von Kohlendioxid im Kyoto-Protokoll seien die Böden nicht berücksichtigt. Für eine wirkungsvolle Klimapolitik seien deshalb zukünftig umfassendere Regelungen nötig.

Berechnungen zufolge werden allein in Großbritannien jährlich 13 Mill. Tonnen Kohlenstoff aus den oberen Erdschichten freigesetzt - zusätzlich zu den etwa 150 Mill. Tonnen aus der Industrie.

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