E-Paper
LG Philips setzt die Zeitung unter Strom

Das Gemeinschaftsunternehmen LG Philips stellt den ersten flexiblen Farbbildschirm in DIN A4-Größe vor. Experten sehen gute Marktchancen für das E-Paper.

bn BERLIN. Hollywood hat es wieder einmal vorgemacht. In einer Szene in Steven Spielbergs Film Minority Report aus dem Jahre 2002 filmt die Kamera über die Schulter eines Zeitungslesers im Zug. Zunächst fällt nichts Ungewöhnliches auf. Doch dann passiert es: Wie von Geisterhand verschwindet in der Ausgabe von „USA Today“ die Schlagzeile über Nanotechnologie und wird durch ein Foto des flüchtigen Tom Cruise ersetzt. Bislang noch Science Fiction, könnten solche E-Papers bald auch jenseits von Hollywood den öffentlichen Nahverkehr erobern.

Am Wochenende hat LG Philips LCD den ersten flexiblen Farbmonitor im DIN-A4-Format vorgestellt. Trotz seiner Größe ist der Bildschirm nur 0,3 Millimeter dick. Statt Glassubstraten, wie bei gewöhnlichen Bildschirmen, basiert die Philips-Entwicklung auf flexiblen Kunststoffen. Die Folge: Das E-Paper lässt sich biegen. „Das ist die nächste Stufe in der Herstellung von Bildschirmen“, sagte LGPhilips- Technologie-Chef Chung In-Jae. Insgesamt soll das neue E-Paper 4096 Farben darstellen können.

Die Entwicklung verbraucht nur dann Strom, wenn eine Aktion auf dem Bildschirm durchgeführt wird, also Pigmente umgruppiert werden. Bis sich ein Bild auf dem Display aufbaut, dauert es 300 Millisekunden. Zu langsam für bewegte Bilder. Die Darstellung muss sich also zunächst auf Texte und Bilder beschränken.

Experten sehen in naher Zukunft für bewegliche Displays gute Marktchancen. So rechnen Analysten des Marktforschers Displaybank für das Jahr 2010 mit einem Marktvolumen von knapp sechs Milliarden Dollar. Bis 2015 soll sich diese Zahl noch einmal verdoppeln.

Ob und wann das E-Paper von LG Philips auf den Markt kommt, ist noch nicht bekannt. Der Film Minority Report spielt im Jahr 2054.

E-Paper für die Massen

Dass es bald wirklich die ersten faltbaren Bildschirme geben könnte, hat nicht unwesentlich mit der Technologiefirma E Ink zu tun. Vor zehn Jahren gegründet, wächst das Unternehmen aus Cambridge, Massachusetts, jedes Jahr um 200 bis 300 Prozent. E Ink hält mehr als 100 Patente, die mittlerweile in Produkten wie Sonys elektronischem Lesegerät Reader PRS-500 genau so zum Einsatz kommen wie in Handys von Motorola. Der neueste Coup ist das elektronische Papier von LG Philips LCD. Bei der Technologie von E Ink werden schwarze und weiße Partikel durch elektrische Impulse so bewegt, dass Texte und Bilder entstehen. „Sie halten Patente, die sie, in dem was sie tun, einzigartig und praktisch unangreifbar machen“, sagte James McQuivey, Analyst bei Forrester Research dem „Boston Globe“.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%