Earth Challenge“ Preis
25 Millionen Dollar für den Retter der Welt

Mit einem neuen Wissenschafts- und Technologiepreis will der britische Unternehmer Richard Branson die Welt retten.

LONDON. Der „Earth Challenge“ Preis geht an den Erfinder einer „kommerziell machbaren“ Technologie, mit der sich jährlich mindestens eine Milliarde Tonnen CO2 pro Jahr aus der Atmosphäre entfernen lassen, für mindestens zehn Jahre und ohne schädliche Nebenwirkungen für den Planeten.

„Es handelt sich um CO2, das bereits durch die Kamine in die Atmosphäre gelangt ist“, nicht eine Kohleabscheidung vor der Verbrennung, unterstrich der frühere US-Vizepräsident Al Gore bei einer Pressekonferenz in London. Gore, dessen Film „Eine unbequeme Wahrheit“ mit weltweitem Erfolg auf die Klimaproblematik aufmerksam machte, gehört zusammen mit einer Reihe eminenter Umweltwissenschaftler zur Jury, die über den Gewinner entscheidet – wenn es einen gibt.

Die Anregung für den Preis sei von seiner Frau Joan gekommen. „Die Menschen haben das Problem geschaffen. Dann sollen sie es auch lösen“, sagte sie. Der Preis solle „jeden kreativen, innovativen Denker, jeden Erfinder und jeden Wissenschaftler anregen, sich mit dem Klimaproblem zu befassen“, so Branson, dessen Virgin Imperium eine Fluglinie, Eisenbahnen, Mobilfunk und seit neuestem auch eine Stammzellenbank umfassen.

Al Gore nannte das Klimaproblem eine „Herausforderung an die moralische Imagination der Menschheit“. Noch vor ein paar Jahren hätten Wissenschaftler die Möglichkeit, CO2 aus der Atmosphäre wieder zurückzugewinnen, als unsinnig abgetan. „Aber nun leben wir in außergewöhnlichen Umständen“.

Bransons Jury gehört auch der Erzpessimist der Umweltwissenschaft an. James Lovelock argumentiert in seinem Buch „Die Rache Gaias“, die Erde habe den „tipping point“, an dem die Klimakatastrophe unumkehrbar ist, bereits überschritten. Wenn es aber eine Lösung des Klimaproblems gebe, liege sie in Wissenschaft und Technologie, „einschließlich der Nukleartechnologie“, betonte Lovelock in einer auf einer Pressekonferenz in London abgespielten Videostellungnahme. „Wir brauchen einen Anreiz für Erfinder und dieser Preis wird ihnen klarmachen, wie ernst das Problem ist. Wir brauchen praktische Lösungen, um uns wieder den üppigen, saftig grünen Planeten zu geben, den wir einmal gekannt haben“.

Branson räumte ein, dass der Preis höchst spekulativ ist „und vielleicht nie etwas daraus wird“. Doch immer wieder in der Geschichten hätten Preise neue Technologieschübe angeregt.

Die Britische Regierung setzte 1714 einen Preis für die Entwicklung eines Navigationsinstrumentes aus, mit dem sich die Position nach Längengraden bestimmen lässt. Es dauerte zwar 60 Jahre, doch der Autodidakt John Harrison gewann den Preis und schuf damit Grundlagen für das britische Seereich. Frankreich setzte 1775 einen Preis von 100.000 Franc auf die Synthese von Alkali aus, der den Initialstimulus für Frankreichs chemische Industrie gab.

Branson und Gore wehrten sich gegen Kritik, der Preis sei ein Publicity Gag und lenke von der Notwendigkeit ab, wirtschaftliche und industrielle Abläufe von Grund auf zu ändern. Die Menschheit sei zu neuem fähig, wenn bestimmte Kipppunkte überschritten seien. Vor seinem Eintritt in den zweiten Weltkrieg hätten die USA nur mit Mühe 2000 Flugzeuge im Jahr gebaut, ein Jahr später mit Leichtigkeit 100.000.

Der Preis und 2007 werde als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem die Welt einen Krisenpunkt überschritten und die Gefahr erkannt habe, sagte Gore. „Lovelock glaubt, dass Wirtschaft und Politik nicht in der Lage sind, dieses Problem zu lösen. Wir müssen beweisen, dass er Unrecht hat.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%