Ehec-Gefahr
„Es gibt auch einen medialen Hype“

Die Zahl der Neuinfektionen des derzeitigen Ehec-Ausbruchs geht langsam zurück. Niels Bandick, Experte beim Bundesamt für Risikobewertung, über die aktuell heißeste Spur und den medialen Hype um das Darmbakterium.
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Der Scheitelpunkt der Neuninfektionen scheint erreicht. Können wir damit rechnen, dass die Quelle des derzeit grassierenden Erregers nicht mehr im Umlauf ist?

Das können wir leider mit Sicherheit noch nicht sagen. Wir erhoffen uns, dass die weitere Analyse der Sprossen aus dem niedersächsischen Betrieb uns bald darüber Auskunft gibt.

Teilweise wirkte die Kommunikation im Falle des aktuellen Ausbruchs etwas unkoordiniert. So sorgte die Mitteilung der hamburgischen Gesundheitssenatorin für viel Aufregung, nach der spanische Gurken mit dem Ehec-Erreger infiziert waren, die dann letztlich doch nicht für den aktuellen Ausbruch verantwortlich war. Ist mehr Koordination notwendig?

Nein, auf der Gurke befanden sich nachweislich Ehec-Erreger – wenn auch von einem anderen Typ – und die Senatorin war in der Pflicht zu handeln. Das fällt klar in die Zuständigkeit der Länder. Es ging dabei ja auch in erster Linie um eine lokale Warnung, sie hat für Hamburg gesprochen, auch wenn sie natürlich bundesweit für Aufregung sorgte.

Auf welcher Grundlage wird vor bestimmten Nahrungsmitteln gewarnt? Klar, viele der Betroffenen haben rohe Gurken, Tomaten und Blattsalat verzehrt – aber macht das nicht fast jeder Deutsche?

Vor welchen Nahrungsmitteln derzeit konkret gewarnt wird, hat das Robert-Koch-Institut auf Grundlage der Befragungen der Patienten und mathematischer Verfahren ermittelt. Dabei wird ein sogenannter Odd Ratio – als Maß für eine Wahrscheinlichkeit – berechnet. Auf Grundlage dieser Zahlen wird deshalb vor dem Verzehr bestimmter roher Lebensmitteln gewarnt – derzeit sind das Tomaten, Gurken, Blattsalat und Sprossen.

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Wird die Gefahr überschätzt?

Kommentare zu " Ehec-Gefahr: „Es gibt auch einen medialen Hype“"

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  • Ich rechne nicht damit, dass die Erregerquelle gefunden werden wird. Sollte aufgrund der Aussagen von Erkrankten der "Sprossen-Hof" mit immer größer werdender Wahrscheinlichkeit als Ausgangspunkt ausgemacht werden, wird es jedoch nie einen Beweis dafür geben. Und was dann? Lebenslanger Verzicht mindestens auf Gurken, Tomaten, Blattsalat und Sprossen wäre die logische Folge. Die massenhafte Stilllegung von Gemüsebauernhöfen wäre die nächste. Und irgendwann werden wir alle wissen, ob dauerhafter Vitaminmangel wirklich so gesundheitsschädigend ist, wie wir glaubten. Man darf gespannt sein, wie sich diese EHEC-Epidemie langfristig auswirken wird, sowohl individuell als auch gesamtgesellschaftlich ...

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