Ehrgeiziges Raumfahrtziel

Nordkorea träumt vom Mond

Raketen nutzte Nordkorea in jüngerer Vergangenheit vor allem für die militärische Drohkulisse. Dabei hat das Land bereits Satelliten ins All gebracht – und verfolgt offenbar ein noch weit ambitionierteres Raumfahrtziel.
Der aktuelle Fünfjahresplan sieht vor, weitere Erdbeobachtungssatelliten und erstmals auch einen Kommunikationssatelliten zu starten. Quelle: AP
Start einer nordkoreanischen Rakete

Der aktuelle Fünfjahresplan sieht vor, weitere Erdbeobachtungssatelliten und erstmals auch einen Kommunikationssatelliten zu starten.

(Foto: AP)

PjöngjangNordkorea will in den kommenden Jahren nicht nur sein Satellitenprogramm ausbauen, sondern strebt darüber hinaus sogar nach dem Mond. Internationale Sanktionen hielten Pjöngjang nicht davon ab, bis 2020 weitere Satelliten zu starten, sagt Hyon Kwang Il, der Direktor der Forschungsabteilung bei der nordkoreanischen Raumfahrtbehörde. Und innerhalb von zehn Jahren werde den Plänen zufolge auch die nordkoreanische Flagge auf dem Mond gehisst.

Ausländische Experten halten eine unbemannte Mondmission Pjöngjangs in nicht allzu ferner Zukunft für ambitioniert, aber vorstellbar. „Es wäre eine bedeutende Steigerung in der Technologie, aber nichts, was ihre Fähigkeit überstiege“, erklärt der Astrophysiker Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian-Zentrum für Astrophysik. Da sie allerdings nur alle paar Jahre eine Mission starteten, halte er einen Erfolg in den nächsten fünf Jahren für unwahrscheinlich. Dass sie es versuchten, sei aber möglich.

Aufstrebende Weltraumnationen
HAYABUSA PROBE
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Japan

Die Anfänge der japanischen Weltraumforschung reichen zurück bis in die 1960er Jahre. Standen zunächst vor allem Projekte zur Grundlagenforschung – etwa im Bereich der Röntgenastronomie – im Mittelpunkt des Interesses, so ist Japan inzwischen auch mit eigenen Trägersystemen, zahlreichen Satelliten im All sowie ehrgeizigen Raumsonden-Projekten zu einer wichtigen Raumfahrtnation geworden.

Seit Oktober 2003 koordiniert die japanische Raumfahrtagentur Jaxa – ein Zusammenschluss aus drei bis dahin unabhängigen Instituten – Japans Aktivitäten im All. Zu den spektakulärsten Jaxa-Missionen zählte die Sonde Hayabusa (Bild), die 2010 Staubpartikel eines Asteroiden zur Erde brachte. Für die Zukunft plant die Jaxa unter anderem die Errichtung einer Roboter-Basis auf dem Mond.

Indien startet erste unbemannte MondmissionMondmission
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Indien

Seit 1969 verfügt Indien mit der Indian Space Research Organisation über eine eigene Weltraumagentur. Wurde der erste indische Satellit 1975 noch mit einer sowjetischen Rakete ins All gebracht, so besitzt das Land inzwischen eigene Trägersysteme für den Transport von Nutzlast in den erdnahen Weltraum.

Größter Erfolg des indischen Raumfahrtprogramms war der Start der eigenen Mondsonde Chandrayaan-1 im Oktober 2008 (Bild). Für 2013 ist die Nachfolgemission Chandrayaan-2 geplant.

Raketen-Explosion in BrasilienRaketenstart
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Brasilien

Seit 1961 erkundet Brasilien mit der INPE (Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais = Nationales Institut für Weltraumforschung) das All. Neben die eher forschungsorientierte Behörde trat 1994 die Agencia Espacial Brasileira zur Koordinierung der Raumfahrtaktivitäten des Landes. Ein Jahr zuvor hatte eine US-Rakete den ersten brasilianischen Satelliten ins All befördert.

Die Entwicklung eines eigenen brasilianischen Trägersystems stand bislang unter keinem guten Stern. Am 22. August 2003 explodierte eine Rakete des Typs VLS-1 an ihrem Startplatz auf der Luftwaffenbasis Alcantara im Norden des Landes. 21 Menschen kamen dabei ums Leben, die Katastrophe warf das brasilianische Raumfahrtprogramm um Jahre zurück. Nach derzeitigem Planungsstand ist frühestens 2013 mit einem neuen Teststart zu rechnen.

Rakete vom Weltraumbahnhof Naro in Südkorea gestartetRakete Südkorea
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Südkorea

Dem Ziel, Südkorea bis 2015 zu einer führenden Weltraumnation aufsteigen zu lassen, hat sich das 1989 gegründete Kari (Korea Aerospace Research Institute) verschrieben. Neben erfolgreichen Satellitenstarts (unter anderem Arirang-1 im Jahr 1999) kann das Land inzwischen auch auf den ersten Start eines eigenen Trägersystems zurückblicken: Am 25. August 2009 hob die erste Rakete des Typs Naro-1 vom Naro Space Center im südkoreanischen Goheung ab (Bild).

Zur Verwirklichung seiner ehrgeizigen Raumfahrtpläne setzt Südkorea auf eine enge Zusammenarbeit mit Russland. So basiert die Naro-Rakete in wesentlichen Teilen auf dem russischen Angara-System. Den guten Weltraum-Beziehungen beider Länder verdankte die koreanische Astronautin Yi So-yeon auch ihren Platz in einem Sojus-Raumschiff, das sie 2008 als erste Südkoreanierin ins All brachte.

The Safir (ambassador) satellite-carrier rocket is seen before launch at Iran's space centre in Tehran
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Iran

2004 nahm die iranische Weltraumagentur ihre Arbeit auf. Ein Jahr später brachte eine russische Kosmos-3-Rakete den ersten iranischen Satelliten ins All. Inzwischen verfügt das Land mit der "Safir" über ein eigenes Trägersystem zum Transport von Satelliten. Für die Zukunft sind auch bemannte Missionen geplant, spätestens 2019 soll die erste verwirklicht werden.

Shavit
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Israel

Mit der Etablierung einer eigenen Weltraumbehörde bekundete Israel 1983 seinen Willen, dem Club der Weltraumnationen beizutreten. 1988 war es soweit: Mit Ofeq-1 startete der erste israelische Satellit zu seiner Reise ins All. Inzwischen verfügt das Land mit der Shavit-Rakete über ein zuverlässiges System zum Transport von Satelliten in den erdnahen Weltraum.

Der aktuelle Fünfjahresplan sieht laut Hyon auf Befehl von Staatschef Kim Jong Un vor, weitere Erdbeobachtungssatelliten und erstmals auch einen geostationären Kommunikationssatelliten zu starten. Die Universitäten weiteten Programme zur Ausbildung von Raketenwissenschaftlern aus. „All diese Arbeit wird die Grundlage für den Flug zum Mond sein“, sagt Hyon. Er persönlich hoffe, dass dies innerhalb von zehn Jahren geschehe.

In seinem Weltraumprogramm verzeichnet Nordkorea bereits einige Erfolge, nicht zuletzt bei der Entwicklung von Langstreckenraketen. Erst am Mittwoch testete das Land mutmaßlich eine Mittelstreckenrakete, es war der vierte Raketenstart binnen zwei Wochen.

Einen Satelliten brachte Pjöngjang zuletzt am 7. Februar ins All, nur einen Monat nachdem das Land bekanntgab, erstmals eine Wasserstoffbombe getestet zu haben. Dies führte zu neuen Sanktionen gegen Nordkorea, denn Atomtests und der Start von Raketen, die auch militärisch genutzt werden können, sind laut UN-Resolutionen verboten.

Hyon nennt die Sanktionen „lächerlich“. Langfristiges Ziel sei, die Satelliten für Ernte- und Forstwirtschaftsvorhersagen und eine verbesserte Kommunikation einzusetzen. Zudem seien bemannte Raumfahrt und wissenschaftliche Experimente im All geplant, ein Flug zum Mond sowie die Erforschung des Mondes und auch anderer Planeten.

Nordkorea hat derzeit zwei Satelliten in der Umlaufbahn, KMS-3-2 und KMS-4. Südkorea hat bislang keinen. KMS-4 habe bis Ende Juli mehr als 2500 Erdumrundungen absolviert und übermittle beim Überflug von Nordkorea, vier Mal täglich, Daten, sagt Hyon. Ausländische Experten konnten dies bislang nicht bestätigen. „Es gibt aber auch keine Beweise dafür, dass es nicht so ist“, sagt Astrophysiker McDowell.

Ein geostationärer Satellit wäre eine größere Herausforderung
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