Eine Batterie speichert den Strom und lädt Handys oder lässt Lampen leuchten
Mobile Solarzellen versorgen Camper mit Energie

Die Zeiten sind vorbei, in denen nach Sonnenuntergang in Zelten die Taschenlampen angeschaltet werden mussten. Der Münchener Outdoor-Ausrüster Salewa hat jetzt erstmals ein System vorgestellt, in dem Solarzellen ausreichend Strom für Lampen, Mini-Fernseher oder Handy-Ladegeräte produzieren. „Die Solarzellen liefern genügend Energie, um im Zelt zu lesen“, sagt Salewa-Chef Karl-Heinz Maurer.

HB FRIEDRICHSHAFEN. Wie das System funktioniert, ist schnell erklärt: Eine Solarzelle, groß wie ein Din-A-4-Blatt, wird mit einem Klettverschluss am Zeltdach befestigt. Auf der Innenseite des Überzelts hat Salewa Kabelkanäle angenäht, durch die Leitungen zu den Akkus führen. Bei voller Batterie lässt sich eine LED-Leuchte sechs Tage lang je fünf Stunden betreiben. Zusätzlich können Ventilatoren, kleine Fernseher oder MP3-Player angeschlossen werden. „Ein Mobiltelefon ist in zwei Stunden geladen, eine Mignonzelle in einer Stunde“, verspricht Salewa. Die Solarzelle liefert bei Sonnenschein fünf Watt Energie, der Akku kann 60 Wattstunden speichern.

Wer sich mit dem neuen System von der Steckdose oder von der Taschenlampe unabhängig machen will, muss allerdings tief in die Tasche greifen. Das Zelt für vier Personen kostet 400 Euro, das Solarsystem mit LED-Lampe noch einmal 179 Euro. Wer mehr Strom will, der kann zwei weitere Solarzellen ankoppeln.

Das Solarzelt ist nicht die einzige Neuheit für Camping-Fans. Auf der Outdoor-Messe, die gestern in Friedrichshafen zu Ende ging, zeigten die Hersteller eine ganze Reihe von Innovationen. Für viel Aufsehen sorgt in der Branche vor allem Vaude. Die Schwaben haben einen Zeltstoff entwickelt, der sich nach leichten Beschädigungen wieder selbst repariert. Sollte also ein Gegenstand, etwa die Spitze eines Kugelschreibers, das Gewebe durchstoßen, zieht sich dieses in wenigen Sekunden wieder zusammen, es bleibt kein Loch zurück. Dafür sorgt ein leichtes Polyamidgewebe, das auf beiden Seiten mit Silikon überzogen ist. Damit wird der Stoff reißfest und außergewöhnlich wasserdicht.

Dazu kommt: Das gesamte Zelt wird mit versiegelten Nähten produziert. Dabei werden in den Fabriken auf beide Seiten der Nähte wasserdichte Tapes angeschweißt. So schafft es Vaude, dass nicht nur die Flächen kein Wasser durch lassen, sondern auch die Nähte. Durch die Löcher der Nadelstiche drang bislang Wasser ein, wenn sie nicht extra verklebt wurden.

In anderen Bereichen haben sich die Outdoor-Ausrüster inzwischen ganz vom Nähen verabschiedet, damit die Produkte wasserdicht sind. So setzt Vaude drei verschiedene Technologien ein, um Rucksackstoffe ohne Nadel und Faden zu verbinden. Eine Möglichkeit ist, zwei Stoffe unter Druck und mit Hochfrequenz miteinander zu verschweißen. Die eingeleitete Schwingung sorgt dafür, dass die Stoffe teigig werden und so ohne Hitze verschmelzen.

Darüber hinaus gibt es ein Verfahren, mit dem die Stoffe auf 130 Grad erhitzt werden und durch eine Hilfsfolie miteinander unter hohem Druck verklebt werden. Zudem arbeitet Vaude mit einem Ultraschall-Verfahren. Dabei werden zwei Stoffe per Ultraschall an den Kanten verschweißt. In einem zweiten Schritt wird die Schweißnaht mit einem Klebeband verstärkt. Der Nachteil der aufwendigen Lösungen: Die Rucksäcke sind ein Viertel teurer als bisher. Dafür sind sie aber wasserdicht.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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