Einfachste Ausführung kostet 1 000 Euro
Frühwarnsystem soll bei Erdbeben Menschenleben retten

Ein Frühwarnsystem, bei dem das Erdbeben quasi vor sich selber warnt, haben die Entwickler der Firma Secty-Electronics aus Castrop-Rauxel in enger Zusammenarbeit mit dem Geo-Forschungs-Zentrum Potsdam entwickelt. Bei dem System gilt eine harmlose Primärwelle als Indikator für verheerende Erschütterungen.

hsn DÜSSELDORF. Zunächst wurde die Deutsche Welthungerhilfe in Kabul mit einem solchen System ausgestattet. Im Februar 2007 soll in Pakistan in einem neuen Hospital für traumatisierte Menschen in Bagh ein weiteres hinzukommen.

Erdbebenforscher unterscheiden zwischen Primärwellen und Sekundärwellen (P- und S-Welle), die sich vom Entstehungsort eines Bebens ausbreiten. Während die für Menschen kaum wahrnehmbare P-Welle ungefährlich ist, bringt die folgende S-Welle für Mensch und Umwelt die Zerstörung. Die Laufgeschwindigkeit der P- Welle ist etwa doppelt so schnell wie die der S-Welle. Je weiter ein Ort vom Mittelpunkt des Bebens, dem Epizentrum, entfernt ist, desto größer ist die Zeitdifferenz zwischen den beiden Wellen – und damit die verfügbare Warnzeit.

„Die Charakteristik der P-Welle erlaubt Rückschlüsse auf die Stärke der nachfolgenden S-Welle und somit auf ihre zu erwartende zerstörerische Wirkung“, sagt Secty-Electronics-Geschäftsführer Jürgen Przybylak. Vorteil: Das System schlägt nur dann Alarm, wenn ein Erdbeben stattfindet, das für Mensch und Umwelt gefährlich ist. Die einfachste Ausführung des Frühwarnsystems kostet 1 000 Euro – ein Stand-Alone-Gerät mit Notstromversorgung für eine Woche und zwei Sirenen. In einer redundant ausgelegten Variante können bis zu 16 Erdbebenmelder miteinander vernetzt werden. Mit der Warntechnik könnten auch automatisch Gasventile geschlossen, Strom abgeschaltet und in Krankenhäusern Notstromgeneratoren aktiviert werden.

Noch werden Menschen in Erdbebenregionen unvermittelt mit der Naturgewalt konfrontiert. „Mit unserem System können die Menschen in einem gewissen Zeitfenster Schutz suchen“, sagt Przybylak. Bagh etwa liegt rund 90 Kilometer vom Epizentrum des Erdbebens vom Oktober 2005 entfernt, so dass die Vorwarnzeit hier 20 Sekunden betragen hätte. Nach Einschätzung von Architekten hätten den Bewohnern in der Gegend fünf Sekunden gereicht, um aus ihren Häusern zu kommen.

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