Einzigartiger Flugkörper gibt ausgebrannten Nachrichten- und Fernsehsatelliten wieder neuen Schub
Neues Leben für gestrandete Satelliten

Von einem Weltraum-Schlepper, der verunglückte Satelliten wieder auf die richtige Umlaufbahn bringen kann, wird in der Raumfahrt seit Jahrzehnten gesprochen. Jetzt scheint die Vision vom „Space Tug“ Wirklichkeit zu werden. Eine britische Firma entwickelt erstmals ein solches Gerät, das leer gefahrene TV- und Wettersatelliten rettet und so die millionenteuren Investitionen im wahrsten Sinne des Wortes wieder anschiebt.

DÜSSELDORF. Die Londoner Firma Orbital Recovery Ltd ist dieser Tage in die Abschlussphase der Entwicklung eingestiegen. „Unser Team ist komplett, wir sind voll in die Aktivitäten eingetreten“, sagt Philip Braden von Orbital Recovery. Zu den Industriepartnern zählen neben der holländischen Raumfahrtagentur Dutch Space, Arianespace und Firmen wie Kayser-Threde auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Die Produktion der neuen Satelliten solle im kommenden September beginnen. Der erste Start ist für 2007 vorgesehen.

Gelingt das Vorhaben, wäre Conexpress der erste so genannte Hilfssatellit der Raumfahrtgeschichte. Die Haupt-Aufgabe des neuen Gerätes wird darin bestehen, große und kostspielige Nachrichten- und Fernseh-Satelliten, die ihren Treibstoff verbraucht haben und daher nicht mehr auf der richtigen Umlaufbahn gehalten werden können, wieder betriebsbereit zu machen.

Das könnte sich nach der Rechnung, die Orbital Recovery aufmacht, bezahlt machen. „Moderne Nachrichten- und Fernseh-Satelliten haben eine aktive Lebenszeit von etwa zehn bis 15 Jahren“, heißt es bei der Londoner Firma. Mit Start, Versicherung und Betrieb könnten die Kosten schnell 250 Mill. Dollar übersteigen – wobei der Gewinn pro Satellit im Jahr bei mindestens 50 Mill. Dollar liege. Wenn nach zwölf bis 15 Jahren der Treibstoff dieser Satelliten aufgebraucht ist, driftet das teure Millionengerät von der richtigen Position auf der Umlaufbahn. So wird es zu nutzlosem Weltraum-Schrott, obwohl der Transmitter eigentlich noch voll betriebstauglich wäre.

Hier soll der neue Hilfssatellit eingreifen: Er wird an den trocken gefahrenen Satelliten angekoppelt und bleibt mit ihm verbunden. Für etwa zehn weitere Jahre übernimmt er dessen genaue Positionierung und Lageregelung auf der Umlaufbahn und beschafft damit im günstigsten Fall für diesen Zeitraum weitere 500 Mill. Dollar Gewinn. Die Kosten für die Pannenhilfe sind vergleichsweise gering: Der Einsatz des Hilfssatelliten würde nach Angaben von Orbital Recovery nur knapp 70 Mill. Euro kosten. Die Vermarktung des Projektes ist inzwischen angelaufen. Man rechnet in London mit etwa 50 Satelliten, die für eine Lebensverlängerung per Conexpress in Frage kommen.

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