Forschung + Innovation
Eisscholle wird zur Forschungsplattform für „Polarstern“

Eine mehrere Quadratkilometer große Eisscholle in der Antarktis steht im Mittelpunkt der nächsten Expedition des Forschungseisbrechers „Polarstern“. Das Schiff legte am Dienstag in Bremerhaven mit Kurs Südpolarmeer ab.

dpa BREMERHAVEN. Eine mehrere Quadratkilometer große Eisscholle in der Antarktis steht im Mittelpunkt der nächsten Expedition des Forschungseisbrechers „Polarstern“. Das Schiff legte am Dienstag in Bremerhaven mit Kurs Südpolarmeer ab.

Ein internationales Forscherteam will in den kommenden Monaten aus physikalischer und biologischer Sicht die Veränderungen des Meereises beim Übergang vom Winter zum Sommer beobachten. Über einen Zeitraum von 50 Tagen wolle das Team bei dem Feld-Versuch Ispol verschiedene Wärmeflüsse aus dem Wasser und der Luft messen, sagte der Geophysiker Christian Haas vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven.

Die gewonnenen Daten sollen nach weiteren Angaben in Computermodelle einfließen, um zuverlässige Berechnungen über die Eisdicken-Verteilung in der Antarktis anzustellen. Bisherige Meereisuntersuchungen in der Arktis, etwa von U-Booten aus, hatten nur ein unzuverlässiges Bild geliefert, da die Beobachtungen räumlich und zeitlich begrenzt waren.

Anfang November wird das Schiff im südafrikanischen Kapstadt erwartet. Nach ihrer Fahrt durch das Südpolarmeer wollen die Wissenschaftler im antarktischen Weddellmeer an einer ein Meter dicken Eisscholle festmachen und Messgeräte ausbringen. Unter anderem sollen 20 Bojen im Umkreis von 200 Kilometern Daten über die Veränderungen der Eisbedeckung liefern. Daneben werde vom Bordhubschrauber der „Polarstern“ eine neuartige Sonde eingesetzt. Mittels so genannter elektromagnetischer Induktion werde aus der Luft die Eisdicke gemessen.

Nach 25 Tagen werde die Scholle nur noch 30 Zentimeter dick und wenige Dutzend Meter lang sein und schließlich auseinander brechen, sagte Haase. Für die Wissenschaftler bestehe jedoch keine Gefahr, da sie von Bord der „Polarstern“ arbeiten und das Eis nur zum Warten der Geräte betreten wollen.

Die Forscher interessieren sich daneben für die Prozesse, die zur Entstehung von Biomasse wie Algen, Krill und Zooplankton führen. So werde auf dem Meereis eine ähnlich umfangreiche Biomasse erwartet wie in den 100 Metern Wassertiefe unter der Scholle. Der große Nahrungsreichtum locke auch regelmäßig Wale an, die die antarktischen Gewässer weitgehend ungestört zur Futtersuche aufsuchten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%