Elektrochrome Displays
Monitor blinkt auf der Milchtüte

Dünnschichtanzeigen auf Waren sollen Verbraucher informieren, Werbefläche bieten und für Sicherheit sorgen. Die Elektrochrome Displays machen Angaben zur richtigen Einnahme eines Medikaments oder zeigen Messebesuchern die Standortpläne von Ausstellern.

KÖLN. Ob Beipackzettel von Arzneimitteln oder Werbemedium auf der Cornflakes-Packung – neuartige elektronische Billigdisplays könnten in Zukunft zahlreiche Aufgaben übernehmen. Die Siemens-Abteilung Automation and Drives ist einen großen Schritt weitergekommen bei der Entwicklung solcher Wegwerf-Monitore. Die Siemens-Ingenieure stellten jüngst eine hauchdünne Anzeige vor, die mit so genannten elektrochromen Substanzen arbeitet – Materialien, die ihre Farbe ändern, wenn ihre Moleküle einer elektrischen Spannung ausgesetzt werden.

Die einzelnen Waben, die die Anzeige unterteilen, können dabei gezielt angesteuert werden. Durch simple elektrochemische Reaktionen werden so Farben und bunte Schriftzüge gezaubert.

Elektrochrome Displays selbst sind eigentlich nichts Neues. Schon seit rund zwanzig Jahren gibt es diese Technik. Siemens hat es jetzt jedoch erstmals geschafft, die Grundlagen für eine zukünftige kostengünstige Massenproduktion zu legen. Zudem sind die neuen Anzeigemedien, die aus Polymer-Schichten bestehen, inzwischen dünn wie eine Folie und können daher auf fast alle Oberflächen geklebt werden.

Schon bald sollen sie auch Informationen auf Wegwerfartikeln anzeigen: Der Messebesucher kann Standortpläne von Ausstellern direkt auf der Eintrittskarte ablesen. Angaben zur richtigen Einnahme eines Medikaments muss man nicht mehr auf dem Beipackzettel suchen – sie stehen direkt auf der Packung und sind in verschiedenen Sprachen abrufbar. Wenn das Display zusätzlich mit einem Sensor ausgestattet ist, wird zum Beispiel das Haltbarkeitsdatum auf der Milchtüte überflüssig. „Dann signalisiert das Display einfach, ,Sie können die Milch noch trinken’“, erklärt Axel Gerlt, Technik-Manager bei Siemens.

In der Lebensmittelindustrie gebe es zahlreiche weitere Einsatzmöglichkeiten: ein Tetris-Videospiel auf den Frühstücksflocken zum Beispiel, oder Cornflakes-Packungen, auf denen der Firmenname leuchtet.

Im Handel hält sich die Begeisterung für die neuen Systeme noch in Grenzen. „Die Technik kann möglicherweise interessant für uns werden“, erklärt Metro-Sprecher Jürgen Homeyer. Allerdings sei noch nicht abzusehen, wann die Konsumgüterindustrie derartige Displays in die Packungen integriere. Auch Konkurrent Rewe äußert sich zurückhaltend: „Es lässt sich heute noch nicht sagen, ob sich eine solche Technik durchsetzen wird“, heißt es dort. „Zudem ist es mehr als fraglich, ob der Kunde dafür mehr Geld bezahlen würde.“

Seite 1:

Monitor blinkt auf der Milchtüte

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%