Elektronik
Tastschirme erobern die Werkshallen

Die Zeiten von Tastatur und Maus sind in der Automation bald vorbei. Touchscreens zur Maschinensteuerung liegen im Trend, halten extremen Bedingungen stand und können helfen, Kosten einzusparen. Jetzt kommen die ersten Terminals, die sich mit mehreren Fingern bedienen lassen.
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KÖLN. Was haben Apples Kult-Handy iPhone und eine Vakuumverpackungsmaschine gemeinsam? Wenn der Bildschirm von Pilz kommt, immerhin die Art der Bedienung: Genau wie das Kult-Telefon reagiert der Automat auf leichtes Antippen mit dem Finger. Möglich macht das ein Touchscreen. Und der funktioniert im Maschinenbau genau so gut wie in der Unterhaltungselektronik.

Die Zeiten von Tastatur und Maus sind in der Automation bald vorbei. Der Touchscreen tritt seinen Siegeszug an. "Der Trend geht eindeutig in Richtung flexibler, grafischer Bedienoberflächen", sagt Markus Schlögl, Leiter Produktmanagement bei dem Mittelständler aus Ostfildern. Deshalb setzt der Automationsspezialist mit weltweit über 1200 Mitarbeitern auf Touchscreens - und mit ihm fast die gesamte Branche. "Touchbedienung wird immer mehr als Standard herangezogen", bestätigt Gerhard Luftensteiner, Vorstandsvorsitzender des österreichischen Elektronikherstellers Keba.

Die Tastschirme sind dabei mehr als eine Spielerei. Schließlich herrschen in Produktionsstraßen oft extreme Bedingungen: Es ist staubig, Funken fliegen, Wasser spritzt, Arbeiter tragen Schutzkleidung und Handschuhe. Nicht unbedingt die geeigneten Bedingungen also, um sich per Tastatur und Maus durch das Bedienungsmenü einer Maschine zu hangeln.

Hier spielen Touchscreens ihre Vorteile aus. Sie sind leicht zu reinigen und benutzerfreundlich. "Touchscreens können gleichzeitig als Ein- und Ausgabeelement genutzt werden", ergänzt Keba-Vorstand Luftensteiner, dessen Unternehmen die berührungsempfindlichen Bildschirme unter anderem in der Spritzgussindustrie und in der Robotik einsetzt.

Das Grundprinzip: Auf dem Bildschirm werden stets nur die Informationen und Auswahlmöglichkeiten angezeigt, die gerade relevant sind. Der Arbeiter kann sie direkt antippen und muss nicht den Blick vom Bildschirm lösen, um zum Beispiel die richtige Tastenkombination zu finden.

Außerdem lassen sich mit Touchscreens Kosten sparen. Früher musste ein Bedienelement genau seiner Maschine angepasst werden. Das erforderte Dutzende unterschiedlicher Varianten von Tastaturen, die aber alle nur in kleinen Stückzahlen benötigt wurden.

Mit einem Touchscreen braucht man dagegen lediglich eine andere Software, die sich zudem leicht in andere Sprachen übertragen oder an unterschiedliche Anwender anpassen lässt. "Ein ausgebildeter Service-Techniker benötigt mehr Tasten als ein einfacher Bediener. Mit Touchgeräten ist das kein Problem", sagt Peter Brinkmann, Leiter der Forschung und Entwicklung bei Schleicher Electronic, einem Berliner Technikhersteller mit 125 Mitarbeitern. Der Profi ruft schlicht ein neues Bedien-Menü mit allen Funktionen auf, die er braucht. Wer die Maschine im Alltag nutzt, für den genügen die Basis-Knöpfe.

Die raue Produktionsumgebung setzt den Touchscreens allerdings zu. Am weitesten verbreitet ist die widerstandsfähige "resistive" Technik. Hier liegen zwei Folien über einer Glasscheibe. Kleine Abstandshalter hindern die Folien daran, sich zu berühren. Sobald ein Gegenstand auf die obere Folie drückt, kommt sie mit der unteren in Kontakt und schließt einen Stromkreis.

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