Elektronik verhindert Crash mit Gebäuden
Flugzeuge weichen Hindernissen automatisch aus

Der US-Mischkonzern Honeywell International arbeitet in Kooperation mit vielen Partnern der Luftfahrtindustrie an einer neuen Anti-Crash-Technologie, die bei Flugzeugen im Notfall die Kontrolle übernimmt, um einen Zusammenstoß mit Hindernissen wie Bergen oder hohen Gebäuden zu vermeiden.

ebe DÜSSELDORF. Nach Informationen aus Branchenkreisen soll das neue System bisherige Crash-Warngeräte, die bereits in vielen Flugzeugen Anwendung finden, mit der neuen Technologie verbinden: Die Computer im Cockpit sollen dann künftig im Autopilot-Modus Kollisionen verhindern können. Die Entwicklung wurde nach den Anschlägen des 11. September 2001 beschleunigt, als Terroristen gezielt US-Gebäude ansteuerten.

Erste Tests hätten vielversprechende Ergebnisse gezeigt, berichten „Wallstreet Journal“ und das Fachmagazin „Flight International“ übereinstimmend. Ein Sprecher des Flugzeugbauers Airbus bestätigte, dass an diesem System „seit mehreren Jahren“ gearbeitet und derzeit die Zuverlässigkeit getestet werde.

Neben der Kooperation Honeywell/Airbus forschen auch die US-Raumfahrtbehörde Nasa, das US-Verteidigungsministerium sowie der Airbus-Rivale Boeing an dieser neuen Technologie. In Branchenkreisen heißt es, Honeywell und Airbus hätten bereits ein weit fortgeschrittenes Entwicklungsstadium erreicht. Ein Prototyp des Systems, das verhindern soll, dass Maschinen mit Bergen kollidieren oder als Waffe von Terroristen eingesetzt werden, wird derzeit bereits getestet. Überhört der Pilot akustische Warnsignale im Cockpit, soll das System dessen Aktionen außer Kraft setzen und im Notfall das Ausweichmanöver einleiten.

Allerdings sind derartige Systeme bei Piloten sehr umstritten, weil der Mensch im Zweifel vom Computer überstimmt werden darf. Der Airbus-Sprecher stellte deshalb klar: „Für einen Piloten ist das in dieser Form nicht akzeptabel. Er muss die letzte Instanz sein.“

Technologien, bei denen der Pilot nicht mehr die letzte Entscheidungsgewalt hat, finden in der zivilen Luftfahrt allerdings bereits Anwendung: Das Fly-by-Wire-System zum Beispiel erlaubt Piloten neuartiger Flugzeuge nicht mehr, über die Grenzen der Flugphysik hinauszugehen. Sobald das Flugzeug einen bestimmten Neigungswinkel erreicht hat, reagiert „Fly by Wire“ und verhindert so einen Absturz.

Umstritten ist noch, wie künftig mit Befehlen des Kollisionswarnsystem TCAS zu verfahren ist. Kommen sich zwei Flugzeuge zu nahe, treten die TCAS-Geräte in Kontakt miteinander und sprechen untereinander ein Ausweichmanöver ab. Ein Pilot muss dann sinken, der andere steigen. Am 1. Juli 2002 waren über dem Bodensee zwei Flugzeuge zusammengestoßen, weil ein Pilot dem TCAS-Befehl zum Sinken folgte und der andere auf Anweisung des Fluglotsen ebenfalls in den Sinkflug überging. Die Bundesstelle für Flugunfall-Untersuchung will nun international die Anweisung durchsetzen, künftig nur noch auf TCAS zu reagieren: Auch dann würde letztlich der Mensch vom Computer überstimmt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%