Elektronische Bauteile erhöhen die Sicherheit im Automobil
Chips machen das Autofahren leichter

Autofahren wird in Zukunft bequemer, sicherer und billiger. Die Chipindustrie ist davon überzeugt, dass Halbleiter in den nächsten Jahren für eine Revolution im Fahrzeug sorgen werden. Kaum ein Bereich bleibt davon unberührt: Antrieb, Bremsen, selbst die Lenkung wird künftig elektronisch mit Hilfe von Chips gesteuert

MÜNCHEN. Längst haben die großen im Autobereich tätigen Chipproduzenten wie Weltmarktführer Motorola, die Nummer zwei, Infineon oder ST Microelectronics zahlreiche fertige Konzepte in den Schubladen. Doch die Autofahrer müssen sich gedulden: „Die langen Zyklen der Autoindustrie verhindern eine schnelle Einführung neuer Entwicklungen“, bedauert Reinhard Petschacher, Forschungschef von Infineon am Automobil-Kompetenzzentrum des Konzerns in Villach.

Erste viel versprechende Ansätze gibt es aber schon. Zum Beispiel die elektronisch unterstützte Servolenkung. Sie ist nach Ansicht des Leiters der Automobilelektronik- Sparte von Infineon, Reinhard Ploss, der erste Schritt zur elektronischen Lenkung, dem so genannten Steer-by-Wire. Damit könnte man künftig viel Benzin sparen. Ploss: „Derzeit läuft eine Hydraulikpumpe permanent im Motor, um die Steuerung zu erleichtern. Eigentlich benötigt der Autofahrer die Hilfe aber nur, wenn er langsam fährt oder einparkt.“ Mit Hilfe von Halbleitern soll die Pumpe künftig nur dann arbeiten, wenn sie tatsächlich gebraucht wird.

Sensoren überwachen den Reifendruck

Doch das ist noch nicht alles: Die Halbleiterindustrie bietet Sensoren an, die für mehr Sicherheit der Airbags sorgen sollen. So wird es nach Ansicht von Experten künftig möglich sein, dass sich die Airbags genau auf Fahrer und Beifahrer einstellen. Sitzt ein 120 Kilogramm schwerer Mann auf dem Sitz, wird der Luftsack mit ganz anderer Wucht ausgelöst als bei einem Kind. Sensoren werden darüber hinaus schon bald dafür sorgen, dass Autolenker permanent den Reifendruck im Auge behalten können. Per Funk werden die Daten auf das Armaturenbrett übertragen.

Und das ist noch lange nicht das Ende der Entwicklung. Ploss: „Wir arbeiten an Sensoren, die den Straßenzustand überprüfen.“ Damit könnte jeder Fahrer rechtzeitig das Tempo anpassen, wenn es glatt oder die Fahrbahn schmierig wird.

Die gesamte Elektronikbranche hat ein großes Interesse an solchen neuen Anwendungen. Denn seit zwei Jahren liegen die Umsätze mit der Telekommunikationsbranche und der Computerindustrie am Boden. Die Autobauer gelten dagegen als verlässliche Abnehmer mit langfristig festgelegten Preisen. Zudem lockt ein riesiges Potenzial.

Chips steuern den Abstand zum Vordermann

Analysten schätzen, dass der Anteil der Elektronik am Auto bis 2010 von derzeit etwa einem Fünftel auf ein Drittel steigen wird. Vor allem die Software wird immer wichtiger. Nach Angaben des deutschen Branchenverbands ZVEI ist die Autoindustrie inzwischen der wichtigste – und auch in schlechten Zeiten verlässlichste – Abnehmer der Halbleiterbranche in Deutschland.

Chips gehören seit Jahrzehnten zum festen Bestandteil von Autos. Schon Mitte der 70er-Jahre wurden die ersten Bausteine für das Bremssystem ABS eingebaut. Heute steuern Halbleiter Dutzende Bereiche, von der Klimaanlage über das Navigationssystem bis zum Anlasser. Viel mehr wäre möglich, wird aber noch nicht eingebaut. So lässt sich mit Hilfe von Chips ein festgelegter Abstand zum Vordermann im Kolonnenverkehr einhalten oder dafür sorgen, dass LKWs ihre Spur halten.

Auch das elektronische Bremsen (Brake-by-Wire) ist einsatzbereit. Doch Forscher Petschacher bleibt nüchtern: „Solche Systeme brauchen noch mindestens fünf Jahre, bis sie in der Serienfertigung der Autohersteller eingesetzt werden. Die technischen Voraussetzungen sind aber da.“ So hat Infineon dafür gesorgt, dass die modernen Systeme wesentlich weniger Strom verbrauchen als die Chips der vergangenen Jahre. Sonst würden die Autos mit all den neuen Möglichkeiten schnell liegen bleiben.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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