Elite-Forschung in Deutschland
Die Führungskräftegesellschaft

Drei Jahre lang hat eine hochkarätig besetzte Arbeitsgruppe der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften Deutschlands Eliten untersucht. Ihre Notwendigkeit und Förderung sind zu einem beliebten Thema der Reformdiskussion geworden. Der Berliner Politologe Herfried Münkler, Sprecher der Arbeitsgruppe, mahnt allerdings zu Skepsis gegenüber der Erwartung, eine Rückkehr zum Modell einer Elitengesellschaft könnte die aktuellen Probleme lösen.

Eliten gab es früher einmal. 2006 existiert in Deutschland eine "bloße Führungskräftegesellschaft". Abzulesen ist das in mehreren gesellschaftlichen Bereichen: so etwa am Wechsel von Otto Brenner zu Michael Sommer als DGB-Vorsitzender, von Hermann Abs-Josef und Alfred Herrhausen zu Josef Ackermann als Sprecher der Deutschen Bank und von Lothar Späth zu Günther Oettinger als Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg.

Karl Ulrich Mayer, Bildungssoziologe an der Yale University, hat diese provokante Aufstellung verfasst, die noch andere prominente Namen enthält. "Abschied von den Eliten" nennt er das Fazit seiner Studien. Er ist beim Blick in die Zukunft jedoch nicht pessimistisch: Gute Führungskräfte, so seine Überzeugung, reichen aus, um die Probleme der Gesellschaft zu lösen. Eine Rückkehr zum Modell einer Elitengesellschaft hält er nicht für realistisch.



"In der seit ein paar Jahren plötzlich wieder hochgekommenen vielschichtigen Debatte über das vermeintliche Versagen, die Fehlentscheidungen und die Versäumnisse der Eliten in Deutschland geben die Studien Mayers eine interessante Perspektive", erläutert Herfried Münkler, "denn der öffentliche Ruf nach neuen Eliten, nach mehr Verantwortung, Leistung, Innovation und Kreativität zeigt etwas ganz anderes auf: eine tiefe Besorgtheit der Gesellschaft für die Frage, ob sie die richtige und inhaltlich tüchtige Elite hat."



Der Professor für Theorie der Politik an der Berliner Humboldt-Universität hat ein umfassendes Standardwerk zur Elitenforschung in Deutschland herausgegeben, bei dem die interdisziplinäre Ausrichtung im Mittelpunkt steht. In dem Band werden die Ergebnisse der interdisziplinären Arbeitsgruppe Eliten-Integration an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften publiziert, unterstützt mit Mitteln des Bundesforschungsministeriums.



Soziologen, Politologen und Psychologen haben "Deutschlands Eliten im Wandel" untersucht - mit unterschiedlichen Ansätzen und verschiedenen Ergebnissen. "Es ist Skepsis angebracht gegenüber der Erwartung, eine Rückkehr zum Modell einer Elitengesellschaft könne die Probleme der Gesellschaft wie den Reformstau lösen", erläutert Münkler. Deshalb schließe der Band mit dem Aufsatz Mayers.

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